Stell dir vor, deine Welt zerbricht wie die Kulissen eines Schauspiels.
Du jagst über die Bühne deines Lebens, doch deine vertraute Umgebung stellt sich als Requisite heraus und alle, die du zu kennen glaubtest, entpuppen sich als Akteure. Und nun frage dich, wo du stehen wirst, wenn sich der Vorhang hebt …

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ISBN: 978-9963-52-054-1

Seiten: 273

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Kira Licht

Kira Licht
© Engels & Kramer
Kira Licht wurde 1980 in Bochum geboren. Aufgewachsen ist sie in Japan und Deutschland. In Japan besuchte sie eine internationale Schule, überlebte ein Erdbeben und machte ein deutsches Abitur. Danach studierte sie Biologie und Humanmedizin. Ihr Debütroman „One Night Wonder“ landete auf Platz 2 der „heißesten erotischen Bücher des Sommers 2010“. Über eine Ausschreibung gewann sie mit ihrer Geschichte „Schabernack“ einen Platz in der Anthologie „Geschichten unter dem Weltenbaum“ (Verlag Low), die 2011 mit dem Deutschen Phantastik Preis als beste Anthologie ausgezeichnet wurde. Sie wird von der Literaturagentur Schmidt & Abrahams vertreten.

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Leseprobe

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Kapitel 1
Dinner für Heirats(un-)willige

Bodenlange Seidenkleider sollten per Gesetz verboten werden.
   Nicht nur, dass sie schrecklich unbequem waren, man musste auch ständig darauf achten, dass ihr empfindlicher Stoff keine Flecken bekam oder gar riss. Außerdem stellten sie eine echte Gefahr für Leib und Leben dar, sollte man versuchen, in ihnen zu rennen.
   Die Bilanz der Strecke von meiner Wohnungstür bis zum Aufzug am Ende des Ganges sah wie folgt aus: Zwei Mal vorn auf den Saum getreten – der Stoff hatte warnend geächzt und die Träger unangenehm in meine Schultern geschnitten; ein Mal mit dem Absatz meiner Pumps hinten den Saum erwischt – der Stoff hatte ein seltsames Geräusch von sich gegeben und ich hatte mich nicht getraut nachzusehen, wie groß der Schaden war. Wehmütig dachte ich an die Lederhosen und die schweren Boots, die ich sonst zu tragen pflegte. Kleider passten einfach nicht zu mir. In diesem Aufzug verwandelte ich mich in ein Püppchen, das kaum gerade laufen konnte.
   Ich raffte den Stoff höchst undamenhaft bis weit über die Knöchel hoch und stürmte weiter. Na gut, wäre ich nicht so spät dran, hätte ich auch langsamer laufen können, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass ich lange Seidenkleider für gemeingefährlich hielt. Ich sprach da aus Erfahrung. Seit ich im heiratsfähigen Alter war, hatten meine Eltern es sich zu ihrer persönlichen Aufgabe gemacht, mich adäquat zu verkuppeln. »Adäquat« bedeutete so viel wie: Es sollte bitte ein Blutdämon sein. Alle anderen sechs Dämonenrassen, egal, ob Feuerdämon, Flugdämon, Gestaltwandler, Echsengesicht, Diploid oder Variati, schienen ihnen nicht recht zu sein.
   Weiterhin sollte es sich um jemanden handeln, der mit Vater auf irgendeine Art und Weise geschäftlich oder politisch verbunden war. Was in den allermeisten Fällen damit endete, dass man mir ein schleimiges, ehrgeiziges Männlein vorsetzte, das vermutlich auch die nächstbeste Topfpflanze geehelicht hätte, nur um unter Vaters Fittichen Karriere zu machen. Als Vorsitzender der Ratsversammlung und Oberhaupt der Blutdämonen hielt er den einflussreichsten Posten auf diesem Planeten inne. So war es immer gewesen, schon seit wir als Delegation unsere Heimatdimension verlassen hatten, um neue Welten für uns zu erobern.
   Wir Dämonen waren unsterblich und je weiter wir uns fortpflanzten, desto mehr Lebensraum benötigten wir. Als kriegerisches Volk beschlossen wir, Planeten, die für uns einen passenden Lebensraum boten, zu unterwerfen. Die Erde und ihre Bewohner boten von Anfang an wenig Widerstand. Die Menschen hatten sich bereits selbst durch den Raubbau an ihrem Planeten fast zugrunde gerichtet. Sie hatten ihn ausgebeutet, vergiftet und seine Ressourcen geplündert, bis sich die Natur gegen sie wandte. Vulkanausbrüche zerstörten die Städte, Unwetter verwüsteten ganze Kontinente und der Regen verwandelte sich in ätzende Säure. Die Infrastruktur brach zusammen und das Leben in den zerstörten Städten glich einem endlosen Kampf um Rohstoffe, Medikamente und sichere Unterkünfte.
   Schließlich wichen die Menschen auf ländliche Gegenden aus, da die zerfallenden Städte kaum Möglichkeiten der Selbstversorgung boten. Doch auch diese Lösung änderte nicht viel. Seuchen löschten ganze Landstriche aus und wer verschont blieb, der kämpfte gegen die permanenten Unwetter und eine schwächende Mangelernährung. Mein Vater sollte einen Planeten erobern, dessen Bewohner größtenteils bereits verhungert waren und der Rest der Bevölkerung würde mit großer Wahrscheinlichkeit das nächste Jahr nicht überleben.
   Es hätte so einfach sein können. So einfach, wie auf all den anderen Planeten zuvor, die Vater mit seinem brutalen Regiment für das dämonische Volk eingenommen hatte. So einfach, dass es nur der Arbeit weniger Monate bedurfte. Doch dieses Mal sollte alles anders werden.
   Als ich zum ersten Mal einen Engel sah, waren wir eben in die verlassene Villa eines menschlichen Politikers gezogen, die Vater bereits hatte instand setzen lassen. Zu diesem Zeitpunkt trug ich Zöpfe und spielte noch mit Puppen. Mutter stöberte gerade durch die Habseligkeiten, die die ehemalige Dame des Hauses in einem ihrer Zimmer zurückgelassen hatte, als plötzlich eine Gestalt mit riesigen staubgrauen Flügeln auf dem Balkon landete. Ich erinnere mich noch, dass ich kreischte und mich an die Beine meiner Mutter klammerte. Ihr atemloses Keuchen hallte wie ein stummer Schrei durch den Raum.
   Der Engel betrachtete uns durch die Glasscheiben der Balkontür, ohne sich zu rühren. Er war groß gewachsen, mit breiten Schultern und langen kräftigen Beinen. Seine dunklen Haare fielen ihm glatt über den Rücken und sein Gesicht war so ebenmäßig und schön, dass ich meinen Blick nicht mehr abwenden konnte. Ich weiß noch, wie bedrohlich er wirkte, obwohl er nur Jeans und ein schmuddliges T-Shirt trug. Es schien, als wollte er allein durch seine körperliche Präsenz eine Kampfansage überbringen. Mutter zog mich aus dem Zimmer, warf die Tür zu und wir flüchteten zu meinem Vater, der sich im Raum nebenan aufhielt.
   Es sollte sich herausstellen, dass die Engel durch die verzweifelten Gebete der Menschen auf die Erde gerufen worden waren. Die geflügelten Heerscharen glaubten an das Gute in ihnen, dass die Menschheit sich ändern könnte und dass sie es wert waren, zu überleben.
   An jenem Tag nahmen die Engel den Kampf gegen uns auf. Obwohl sie sterblich waren und weitaus mehr menschlich als wir Dämonen, taten sie alles in ihrer Macht Stehende, um unseren Feldzug zu sabotieren. Sie schufen Verstecke für die überlebenden Menschen. Sie halfen ihnen, Lebensmittel anzubauen und alles Nötige selbst herzustellen. Und noch viel schlimmer: Sie glaubten daran, dass sie uns besiegen konnten.
   Vater reagierte umgehend. Er rief die Ratsversammlung ein und nahm Kontakt zu unserer Heimatdimension auf. Gemeinsam beschloss man, eine politische Behörde zu gründen, die sich einzig und allein der Erforschung und Ausrottung der Engel widmete. Dämonen aller sieben Rassen wurden ausgebildet und trainiert, die geflügelten Wesen zu töten. Andere beschäftigten sich ausschließlich damit, die Engel zu erforschen. Sogenannte Hauptquartiere, die über den ganzen Planeten verteilt errichtet wurden, dienten als Schaltzentralen für eine systematische Dezimierung der Engel. Ganz unbemerkt wich die Ausrottung der Menschheit in den Hintergrund. Plötzlich waren die Engel unser größtes Problem.
   Obwohl ich dank des Wohlstands meines Vaters niemals hätte arbeiten müssen, beschloss ich am Ende meines Teenager-Daseins, mich den Engelsjägern anzuschließen. Jenen kriegerischen Truppen, die dazu ausgebildet wurden, Engel im Kampf zu töten. Womit wir schließlich wieder bei meiner Vorliebe für bequeme Kleidung und schwere Stiefel angekommen wären.
   Obwohl meine Eltern es ganz und gar unerhört fanden, dass ich mich freiwillig mit dem Todfeind auf der Straße prügelte, so fand ich es immer noch sinnvoller, als den ganzen Tag vor dem Spiegel zu sitzen und über meine Garderobe nachzudenken. Es wäre überflüssig zu erwähnen, dass meine Eltern auch verzweifelt nach einem Ehemann für mich suchten, in der Hoffnung, mein Dasein als Ehefrau würde mir die Lust am Kämpfen nehmen. Wie amüsant!
   Endlich am Aufzug angekommen, versuchte ich zu verdrängen, welcher überaus würdige Lebensabschnittspartner mich bei meinen Eltern erwarten würde. Die Liste der Kandidaten, vor denen ich am liebsten schreiend davongelaufen wäre, wurde länger und länger.
   Die Türen gingen auf und ich betrat die hell erleuchtete Kabine. Der Knopf für P wie Parkhaus war schon gedrückt, wie praktisch. Eigentlich hatte ich nie wieder bei so einem Kuppeltreffen meiner Eltern erscheinen wollen. Ich hatte es meiner Mutter sogar ausdrücklich gesagt. Und nun?
   Ich drehte mich zur Kopfseite der Kabine, die komplett verspiegelt war. Ein blasses Gesicht mit traurigen braunen Augen sah mich an. Das dunkelgrüne Seidenkleid verlieh meiner sportlichen Figur ein paar sanfte Rundungen, trotzdem sah ich darin aus, als hätte ich es meiner großen Schwester geklaut. Auch das schwarze Haar mit dem tiefgrünen Schimmer wirkte durch die Haarspangen eher geknebelt als vorteilhaft zur Geltung gebracht.
   Ich seufzte und strich über die Narbe an meinem Oberarm. Ob sie jemals komplett verschwinden würde? Da wir Dämonen unsterblich waren, heilten unsere Verletzungen sehr viel schneller als die der Engel oder Menschen. Ich war im Kampf verwundet worden, was eigentlich nichts Besonderes war. Wir Engelsjäger trugen öfter kleinere Schnitte oder Schrammen davon, denn auch die Engel waren gut bewaffnet. In den meisten Fällen kämpften sie mit ihren Flammenschwertern, deren Klingen komplett aus Feuer bestanden, oder mit kleineren Dolchen und Messern, die sie warfen oder uns im Nahkampf in den Körper stießen. Daraus entstehende Verbrennungen oder Stichverletzungen heilten meist bereits während des Kampfes.
   Bei diesem Einsatz jedoch waren wir mit einer neuen Waffe der Engel in Kontakt gekommen. Wobei das »wir« faktisch nicht stimmte, denn eigentlich war nur ich durch das uns bisher unbekannte blaue Feuer verwundet worden. Eine Gänsehaut jagte mir über den Körper, als ich mich daran erinnerte.
   Zuerst hatte mein Gegner nur ein gängiges Flammenschwert benutzt. Doch dann hatte der Engel ein paar Worte in einer mir unbekannten Sprache gemurmelt und das helle Orange des Feuers war zu einem kalten Blau geworden. Er hatte mich am rechten Arm knapp unter der Schulter erwischt und noch heute konnte ich fühlen, wie die eiskalte Flammenklinge hinten an meinem Oberarm wieder austrat. Abgesehen davon, dass die Wunde einfach nicht heilen wollte, waren auch noch diese seltsamen blauen Linien aufgetreten. Wie ein Gespinst aus feinen Fäden suchten sie sich ihren Weg den Arm hinab und über meine Schulter. Tagelang fühlte mein Arm sich taub an und war zu nichts zu gebrauchen.
   Im Hauptquartier, in dem ich arbeitete, war man ratlos. Niemand konnte sich erklären, woher das blaue Feuer plötzlich kam, beziehungsweise, wie die Engel an diese neue Waffe gekommen waren.
   Mich kümmerte in erster Linie jedoch mein Arm, bei dem es zunächst so aussah, als könnte ich ihn nie wieder richtig bewegen. Die blauen Strukturen schienen sich immer weiter auszubreiten und durchzogen meinen Arm wie Adern, die mit einer blauen Flüssigkeit gefüllt waren. Obwohl ich mir immer wieder sagte, dass wir Dämonen nicht sterben konnten, ahnte ich instinktiv, die neue Waffe der Engel würde vieles verändern.
   Es dauerte einige Wochen, bis die blauen Adern zu verblassen begannen. Mittlerweile war mein Arm wieder voll einsatzfähig, doch wir wussten nach wie vor nicht, was für einen Schaden das blaue Feuer tatsächlich anrichten konnte. Zum allerersten Mal in unserer Geschichte standen wir einem Problem fast hilflos gegenüber und das beunruhigte die dämonische Gemeinschaft mehr, als wir alle zugegeben hätten.
   Der Aufzug hielt im untersten Geschoss, in dem sich die Tiefgarage befand. Da es mehrmals im Jahr einige Wochen lang violett schimmernde Säure vom Himmel regnete, hatten wir dafür gesorgt, alle instand gesetzten Gebäude mit Tiefgaragen zu versehen. Fahrzeuge wurden durch säureresistente Lacke geschützt und die Schutzanzüge, die es möglich machten, uns gefahrlos in einem Regenschauer zu bewegen, waren säureabweisend imprägniert.
   Der Regen zerfraß alles, was nicht in irgendeiner Form aus Stein bestand. Beton, Asphalt, Ziegel von Häuserdächern, Sand, Kies und Porzellan waren vor ihm sicher, doch alles andere, sogar Metalle, sollten sie nicht imprägniert sein, löste die Säure auf.
   In der Tiefgarage roch die Luft muffig und verbraucht. Leider übersah ich, dass der Hausmeister gerade damit beschäftigt war, den Betonboden zu reinigen. Er hatte mithilfe eines Wasserstrahls allen Dreck und Schmutz in einer Pfütze zusammengesammelt und mittendrin in dieser stand ich, als ich den Aufzug verließ.
   Schmutziges Wasser und kleine Steinchen schwappten auf die satinbezogenen Abendschuhe und der Saum meines Kleides bekam einen dunklen, feuchten Rand. Ich fluchte und untersuchte das Malheur, nachdem ich mich mit einem beherzten Satz aus dem schmuddligen Wasser gerettet hatte. Kurz entschlossen wrang ich den Saum aus. Ich schnipste ein paar Dreckkrümel von den Schuhen und befand, dass es nun gut sein musste, weil ich mich sonst noch mehr verspäten würde. In meinem Auto, einem kleinen nachtschwarzen Flitzer, stellte ich die Heizung auf allerhöchste Stufe und ließ das Kleid und die Schuhe trockenpusten.
   Natürlich hatte ich nicht wirklich Lust, einen weiteren Heiratskandidaten präsentiert zu bekommen. Doch nun hatte ich mich über ein halbes Jahr erfolgreich geweigert. Meine Mutter hatte mich so lange mit Telefonaten bombardiert, bis ich nachgegeben hatte.
   Vor sechs Monaten war ich hübsch zurechtgemacht bei meinen Eltern erschienen, nur um mir anhören zu dürfen, dass Taros, mein Kuppeldate des Abends, kurzfristig abgesagt hatte. Mir kam es wie ein Zeichen vor. Ab da sagte ich alle Einladungen meiner Eltern konsequent ab. Ich wollte niemanden kennenlernen. Ich war belogen, betrogen und verlassen worden. Ich brauchte Zeit, das alles zu verarbeiten. Levian, der Engel, in den ich mich verliebt hatte, wollte einfach nicht aus meinen Gedanken verschwinden. Ich konnte nicht fassen, dass er mich nur für seine Zwecke benutzt hatte.
   Und nun hatte ich mich doch wieder überreden lassen. Mutter war der Meinung, etwas Abwechslung würde mir guttun. Irgendwann gab ich ihrem andauernden Drängen nach. Ich nahm mir vor, beim Dinner nur körperlich anwesend zu sein und meinen Gedanken nachzuhängen, während meine Eltern ihr übliches Theater veranstalten würden. Das bedeutete für gewöhnlich, dass Mutter mit all unserem Wohlstand angab und Vater den ganzen Abend nur über Politik reden wollte.
   Hinzu kamen noch meine ältere Schwester Mayra und ihr Ehemann Ikanto, die mich wie das schwarze Schaf der Familie behandelten. Und zuletzt mein jüngerer Bruder Jaro, der nur Unsinn im Kopf hatte und sich hinter dem Rücken unseres Gastes über ihn lustig machte. Was meist dazu führte, dass wir beide am Tisch in lautes Gelächter ausbrachen, wofür wir von unseren Eltern wie Kleinkinder gemaßregelt wurden. Und wofür mich Mayra und Ikanto noch verächtlicher ansahen. Man konnte sich also ausmalen, diese Abendessen waren so nett wie ein rostiger Nagel im Fuß.
   Ich verließ die Tiefgarage und bog nach rechts auf eine breite Straße ab. Meine Wohnung lag im Stadtzentrum, das sich rund um das Hauptquartier, für das ich arbeitete, gebildet hatte. Hier fanden sich Geschäfte, in denen man alles für den täglichen Bedarf kaufen konnte. Läden mit Lebensmitteln oder Kleidung, Fahrzeughändler und kleinere Dienstleistungsbetriebe. Außerdem größere Wohnblöcke und Apartmenthäuser, in denen die Angestellten des Hauptquartiers und der umliegenden Geschäfte lebten.
   Die Villa meiner Eltern lag etwas außerhalb. Allerdings nicht so weit entfernt wie die Fabriken und Großbetriebe, die, sicher abgeschirmt gegen den gefährlichen Regen, Nutztiere züchteten, Gemüse und Obst anbauten oder Fahrzeuge produzierten. Hier war alles streng geregelt. Bestimmte Betriebe arbeiteten nur für ein Hauptquartier und sicherten die Versorgung der dort arbeitenden Dämonen.
   Die meisten Hauptquartiere waren in den zerstörten Großstädten der Menschen lokalisiert. Mehrere nebeneinanderliegende Hochhäuser wurden renoviert und wieder nutzbar gemacht. Um diesen Komplex herum baute man dann weitere Häuser wieder auf und besserte die umliegenden Straßen aus. Unsere Delegation war groß, doch da wir über den gesamten Planeten verteilt lebten, wirkten die Siedlungen rund um die Hauptquartiere wie kleine Dörfer innerhalb einer riesigen zerstörten Stadt.
   Da die Ratsversammlung es nicht einsah, mehr von den Städten wieder aufzubauen als benötigt wurde, führte jeder Weg hinaus unweigerlich durch apokalyptisch zerstörtes Gelände, das einem eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Unglaublich, sich vorzustellen, dass noch bis vor wenigen Jahren Menschengruppen inmitten der Trümmer gehaust hatten.
   Um zu meinen Eltern zu gelangen, musste ich einmal quer durch die Stadt fahren. Schon bald hatte ich den Bereich, in dem die Straßen eben und glatt waren, verlassen und durchquerte jene Stadtteile, die zerfallen und unbewohnt waren. Hier verlief ein großer Krater, in dessen Innerem flüssiges Magma brodelte. Mein Weg führte mich nur wenige Meter entfernt an ihm vorbei. Obwohl es immer wieder ein faszinierendes Schauspiel war, zu beobachten, wie das Innere permanent rot glühende Funken in die Luft warf, atmete ich jedes Mal auf, wenn ich den Graben passiert hatte. Der Anblick erinnerte mich zu sehr an die rohen Naturgewalten, die diesen Planeten fast unbewohnbar gemacht hatten. Auch heute hielt ich die Luft an, als ein Funkenregen nach oben geschleudert wurde, gerade als ich daran vorbeifuhr.
   Kaum hatte ich die Ausläufer der ehemaligen Großstadt verlassen, schien die Zivilisation wie abgeschnitten. Die Häuser der Vorstädte waren schon lange dem Erdboden gleichgemacht und nur noch eine gleichmäßige Steinschicht erinnerte daran, wie viele Menschen hier vor wenigen Jahrzehnten noch gewohnt hatten. Nun glich das Land einer gespenstischen Einöde, die bei Nacht an eine Steinwüste erinnerte, in der es niemals Leben gegeben hatte.
   Ich hatte nie Mitleid mit den Menschen gehabt. Sie hatten sich selbst zugrunde gerichtet und ich fand die frommen Bemühungen der Engel, eine untergehende Zivilisation zu retten, reichlich lächerlich. Aufgewachsen in einem kriegerischen Volk war der Grundsatz, dass sich der Stärkere vom Schwächeren nehmen konnte, was er wollte, so tief in mir verankert, dass ich das Handeln meines Vaters niemals infrage gestellt hatte. Als Tochter eines Mannes, der eine Eroberungsdelegation anführte, kannte ich nichts anderes. Sobald Vater einen weiteren Planeten unterworfen hatte, zogen wir weiter und ein Teil des dämonischen Volkes aus meiner Heimatdimension wurde auf jenem Planeten angesiedelt. Unsere Delegation aber wurde nie sesshaft. Sobald die Feinde unterworfen und das Land erobert worden war, verließen wir den Planeten. Ich kannte nur den Krieg.
   Licht, das durch Fensterscheiben drang und bis weit hinaus in die grauschwarze Nacht strahlte, verriet mir, dass ich das Anwesen meiner Eltern fast erreicht hatte.
   Wenige Minuten später hielt ich vor einem schweren eisernen Tor. Es war in die Mauer eingelassen, die das Anwesen meiner Eltern umgab. Sofort richtete sich die Linse einer Kamera auf mich, die seitlich neben der Tür angebracht worden war. Sekunden später schwangen die Doppeltüren wie von Zauberhand auf. Ich fuhr die kiesbestreute Auffahrt hinauf, parkte seitlich vor dem Haus und stieg aus.
   Selbst im matten Schein des Mondes schimmerten die Kiesel zu meinen Füßen gleißend weiß. Einer der wenigen Vorteile des säurehaltigen Regens. Er löste alle Verunreinigungen von den hellen Steinen, sodass es wirkte, als würde ich über vom Himmel gefallene Sterne spazieren.
   Mein Blick wanderte zum Haus. Mit seinen hell erleuchteten Fenstern, dem ovalen Balkon in der ersten Etage und seinem cremefarbenen Anstrich sah es imposant und einladend zugleich aus. Das einzig Bedrohliche waren die zwei komplett in Schwarz gekleideten Wachmänner, die rechts und links der Haustür postiert waren. Ich hatte jedoch an meinen Schlüssel gedacht und konnte die Haustür einfach aufschließen. Die beiden Wache schiebenden Blutdämonen nickten mir zu und ich grüßte kurz zurück. Dann betrat ich das Haus.
   Wenn es von außen schon imposant gewirkt hatte, so verdoppelte sich dieser Eindruck, sobald man die Eingangshalle betrat. In der unteren Etage lagen die offiziellen Räume, in denen meine Eltern Gäste empfingen oder in denen Vater Besprechungen abhielt. Eine breite, geschwungene Treppe führte hinauf in die erste Etage. Sie endete in einer Galerie, von der es nach rechts zu den Räumen meiner Eltern und meines Bruders Jaro ging. Linksseitig gelangte man in den Flügel, den meine Schwester Mayra, ihr Mann Ikanto und ihre drei kleinen Töchter bewohnten.
   Schmuckstück der Eingangshalle war der ausladende Kronleuchter, den Vater komplett hatte restaurieren lassen. Er war in circa sechs Meter Höhe angebracht und stand man etwa auf halber Treppe, konnte man ihn aus der Nähe bewundern. Altgolden gefärbtes Metall und scheinbar unendlich viele Kristalltropfen vereinten sich zu einem glitzernden Schauspiel. Der gesamte Eingangsbereich war in dezenten Farben gehalten, die gut zu dem dunklen Holz der Möbel passten. Der sandfarbene Marmorboden glänzte wie ein Spiegel. Wäre man nicht wie ich in diesem Haus groß geworden, würde es vermutlich in all seinem Prunk ziemlich einschüchternd wirken. Wer jedoch schon einmal auf Socken auf dem Marmorboden »Eiskunstlaufen« gespielt hatte und mit dicken Kissen die Treppe heruntergerutscht war, dem flößte diese Halle keinen Respekt mehr ein.
   Aus dem Speisezimmer drangen leise Gesprächsfetzen. Ohne anzuklopfen, ging ich hinein. Der soeben noch heitere Gesichtsausdruck meiner Mutter gefror zu einer eisigen Maske.
   »Guten Abend, zusammen. Tut mir leid, ich bin ein bisschen zu spät.«
   Zunächst sah ich von meinem potenziellen Lebensabschnittspartner nur seine breiten Schultern. Als sich die Herren höflicherweise erhoben, war ich positiv überrascht. Sein Haar war pechschwarz, glänzend und etwa kinnlang. Er hatte es gekonnt nach hinten gekämmt, was seine hohe aristokratische Stirn betonte und sehr gut zu seiner geraden arroganten Nase passte. Seine Augen waren dunkelgrün und wurden von tief liegenden Brauen überdacht. Ich sah unwillkürlich auf seinen harten Mund, der überhaupt nicht zu dem stereotypen Lächeln passte, das er mir gerade schenkte.
   Mutter hatte sich bereits wieder gefangen und ihren Gesichtsausdruck von »Du bist zu spät, du Nichtsnutz« in »Ich bin die perfekte, gut gelaunte Gastgeberin« umgestellt. In ihrem cognacfarbenen Seidenkleid und mit dem kostbaren Schmuck wirkte sie wie eine Königin, die Hof hielt. Sie war einen halben Kopf kleiner als ich und im Gegensatz zu meiner schlanken sportlichen Figur war alles an ihr irgendwie runder und weiblicher. Wenn sie Abendkleider trug, sah sie aus, als wäre sie bereits darin geboren worden. Zusammen mit den raffiniert frisierten Haaren und dem sorgfältig zusammengestellten Geschmeide war ihr Äußeres so perfekt, wie es sich für eine Blutdämonin gehörte.
   »Nikka, darf ich dir unseren Gast vorstellen? Das ist Tarsos, der Sohn eines Geschäftspartners deines Vaters.«
   »Freut mich.« Ich streckte ihm meine Hand hin und er schüttelte sie.
   »Freut mich auch«, sagte er und sah mich nicht einmal richtig an. Entweder gefiel ich ihm überhaupt nicht oder er wollte nicht unhöflich sein und mich vor den Augen meiner Eltern einer so intensiven Musterung unterziehen. Eigentlich war ich gut darin, in der Mimik und den Gesten meines Gegenübers zu lesen. Ich betrachtete Tarsos, seine Haltung, seinen Gesichtsausdruck und sah … nichts. Es schien fast, als hätte er unsichtbare Schutzwälle, die jeden persönlichen Zug von ihm abschirmten. Selbst sein Tonfall klang so neutral, dass ich nichts daraus entnehmen konnte.
   Ein Hausdiener zog mir höflich den Stuhl zurück und ich nahm Platz. Auch die Herren der Tafel, Vater, Tarsos, Ikanto und mein Bruder Jaro, die sich höflich erhoben hatten, als ich den Raum betrat, setzten sich wieder.
   »Wie schön, dass du es doch noch einrichten konntest, Nikka. Dann können wir endlich anfangen.« Ungeduldig gab Vater einem Diener ein Handzeichen und dieser eilte aus dem Zimmer. Dann sah er zu mir herüber und ich fühlte deutlich, dass seine schlechte Laune nicht wirklich etwas mit meinem Zuspätkommen zu tun hatte. Diesen Zug um den Mund kannte ich bei ihm nur, wenn er hungrig war. Ich musste bei seinem Anblick lächeln. Trotzdem zwang ich mich zu einer Entschuldigung. Obwohl ich keine Lust auf dieses Abendessen hatte, war es unhöflich von mir gewesen, die anderen warten zu lassen.
   »Es tut mir leid. Ich …«
   »Schon gut.« Er winkte ab. »Jetzt bist du ja da.«
   Auch wenn er fast nie lächelte, wirkte sein Gesichtsausdruck nun viel freundlicher. Genau wie alle anderen am Tisch war auch er formell gekleidet. Dunkelbrauner Anzug, weißes Hemd, Krawatte. Seine Haut war ebenmäßig und hell und stellte zusammen mit den schwarzen Haaren ein Erkennungsmerkmal der Blutdämonen dar. Unsere Haare waren alle schwarz, einzig der Schimmer, der tief in ihnen verborgen lag, brachte ein wenig Variation hinein. Vater hatte Jaro und mir den grünen Glanz im Haar vererbt. Meine Mutter, in deren Haarpracht es rotschwarz schimmerte, wenn das Licht darauf fiel, hatte diesen Effekt an Mayra weitergegeben. Die Haare von Mayras Ehemann Ikanto schimmerten silbrig. Eine äußerst seltene Variante, die mir auch für mich gut gefallen hätte.
   »Was hast du mit deinem Kleid angestellt, Schwesterlein?« Mayra, die mir gegenübersaß, gab sich keine Mühe, ihre Belustigung zu unterdrücken. »Hast du es mit deinem Auto überfahren, bevor du hineingeschlüpft bist?«
   Da ich die Spitzen meiner Schwester bereits gewohnt war, machte ich mir nicht die Mühe, zu antworten. Ich schenkte ihr einen Blick, der deutlich sagte, was ich von ihren Fragen hielt. Mayra schnaufte und auch ihr Ehemann warf mir einen strafenden Blick über den Tisch zu. Die beiden waren sich immer einig. In allen Dingen, egal, worum es ging. Würde es nicht so gekünstelt wirken, wäre es fast unerträglich.
   Überhaupt wirkten sie wie eine jüngere Kopie meiner Eltern. Mayra, als Mutter und Hausfrau, repräsentierte den Haushalt ihres Mannes ebenso perfekt wie meine Mutter. Mittlerweile frisierten sie sich sogar schon die Haare ähnlich. Nicht zu übersehen war auch die Ähnlichkeit Ikantos mit Vater. Sie trugen den gleichen gestutzten Vollbart, besaßen die gleichen gerade verlaufenden Augenbrauen über dunklen Augen und glichen sich in ihrer Statur wie ein Ei dem anderen. Mutter und Mayra verstanden sich ohne Worte, Vater und Ikanto arbeiteten jeden Tag zusammen. Mit meiner Vermutung, dass sie beharrlich versuchten, aus mir Kopie Nummer zwei zu machen, lag ich wohl nicht allzu falsch.
   »Vielleicht ist der Knitterlook im Moment total angesagt und du hast es nur nicht mitbekommen, weil du praktisch nie das Haus verlässt.« Jaro, der links neben Mayra saß, grinste sie frech an. »Oder, liebstes Schwesterlein?«
   Obwohl er mittlerweile auch für Vater arbeitete, hatte er es irgendwie geschafft, sich nicht verbiegen zu lassen. Am auffälligsten war, dass er immer noch seine »schrecklich unseriöse« Frisur besaß, über die Mutter so gern nörgelte: Die Seiten ausrasiert und oben viel zu lang. Auch jetzt fielen ihm einige Strähnen des überlangen Ponys bis über die Nasenspitze. Der Ring, der sich mittig durch seine Unterlippe bohrte, blitzte beim Sprechen im Schein der Kerzen rebellisch auf.
   Ich konnte ihn mir einfach nicht zwischen all den geschniegelten Angestellten meines Vaters vorstellen. Jaro hatte etwas Unangepasstes, Spitzbübisches an sich, das ihm meine Eltern vergeblich versucht hatten abzugewöhnen. Auch heute trug er zwar ein Oberhemd, jedoch ohne Krawatte und eindeutig ein Stückchen zu weit aufgeknöpft. Zwei dünne, lange Silberketten schimmerten im Ausschnitt. Sie waren ein sicheres Anzeichen dafür, dass solch formelle Kleidung normalerweise nicht seinen Stil repräsentierte. Genau wie ich trug er gern Röhrenhosen aus Leder oder schwarzem Denim, ausgelatschte Boots und Shirts in gedeckten Farben.
   Mayra wollte gerade etwas erwidern, als die Tür aufschwang und zwei Diener, schwer bepackt mit Tabletts, den Raum betraten. Mutter kochte natürlich nicht, denn als Blutdämonen lebten wir nur von Blut. Gaben meine Eltern Abendessen, zu denen auch Dämonen der anderen sechs Rassen eingeladen waren, so bestellte Mutter das Essen im einzigen Nobelrestaurant der Gegend. Obwohl dieses aufgrund der Entfernung eigentlich nicht lieferte, machte man für die Politikerfamilie Ekishtura gern eine Ausnahme.
   Auch dieses Mal hatten meine Eltern es sich nicht nehmen lassen, ihren Gast mit dem Umstand zu beeindrucken, dass es nicht nur ein Glas Blut für alle geben würde. Mutter hatte raffinierte kleine Pasteten und andere Häppchen bestellt, die besser aussahen, als sie schmeckten.
   Meine Eltern liebten es, ihr kriegerisches Dasein, dem ganze Zivilisationen zum Opfer fielen, damit aufzuwerten, dass sie eine ausgeprägte Esskultur hochhielten. Bei offiziellen Treffen empfanden sie es als zu animalisch, den Esstisch nur mit Karaffen voller Blut zu bestücken. Mutter fand es schlimm genug, dass Vater im Aufsichtsrat einer Firma saß, die über die ganze Erde verteilt sogenannte Blutfarmen betrieb. Hier wurden Tiere gezüchtet, nur um an ihr Blut zu gelangen. Bei uns zu Hause galten solche Themen als absolut unschicklich. Das Blut wurde in großen Kanistern angeliefert und niemand fragte, woher es kam.
   Die Diener verteilten die mit Pasteten dekorierten Platten auf dem runden Tisch. Mutter sah erwartungsvoll zu Tarsos.
   »Wie nett.« Sein Tonfall klang eher herablassend als freundlich, doch Mutter strahlte.
   Jaro, der mir schräg gegenübersaß, betrachtete ihn kurz und sah dann zu mir. Ich hob unmerklich die Schultern. Jaro schüttelte ratlos den Kopf.
   Noch mehr Diener erschienen und begannen, unsere Gläser mit Blut zu füllen. Als wir wieder unter uns waren, hob Vater sein Glas. »Auf einen schönen Abend!«
   Als Tarsos links neben mir nach seinem Glas griff, schielte ich unauffällig zu ihm hinüber. Seine Haltung, seine Kleidung, alles an ihm war formvollendet und doch gleichzeitig so kalt und unnahbar wie eine Statue. Selbst für einen Blutdämon war er ungewöhnlich attraktiv, doch noch nie hatte ich jemanden kennengelernt, der so absolut in sich selbst verschlossen schien. Er prostete meinem Vater zu, und als ich fast schon damit rechnete, dass er sein Glas abstellen würde, so wie alle anderen, drehte er sich zu mir. Der Blick in seine grünen Augen ließ mich gegen eine Wand aus Metall prallen, obwohl sich sein Mund zu der Andeutung eines Lächelns verzog.
   »Nikka.« Er stieß leicht mit seinem Glas gegen meines. Meine Augen glitten über sein Gesicht bis hinunter zu der Hand, die das zarte langstielige Glas hielt. Schlanke und doch kräftige Finger, deren Nägel auffallend gepflegt waren. Das dunkle Blau des Anzugstoffs ließ seine Haut noch heller wirken. Alles an ihm schien so unwirklich perfekt, dass ich mit einer Mischung aus Faszination und Ratlosigkeit zurückblieb, als er sich von mir abwandte. Er hätte auch aus Marmor sein können. Aus weißem Alabastermarmor. Makellos und eiskalt.
   Während des Essens gab sich Mutter alle Mühe, ihn mit unserem Wohlstand zu blenden, doch Tarsos zeigte sich wenig beeindruckt. Stattdessen schien er sich mit Vater lieber über geschäftliche Dinge unterhalten zu wollen. Mutter verwickelte Mayra und Ikanto in ein Gespräch über Kindererziehung und gerade, als ich zu Jaro etwas sagen wollte, kam sie mir zuvor, indem sie ihn aufforderte, eine lustige Anekdote aus seiner Kindheit zu erzählen. Ich saß eingezwängt zwischen all den Redenden und starrte ins Nichts. Irgendwann spürte ich, wie Tarsos mich musterte. Mutter fing seinen Blick mit Wohlwollen auf, doch dann wandte er sich einfach wieder meinem Vater zu.
   Als die Diener die Platten abräumten, war der offizielle Teil des Essens beendet. Sobald es die Höflichkeit erlaubte, erhob ich mich und spazierte hinaus auf die Terrasse. Dort war es angenehm kühl und ruhig. Ein sanfter Wind fuhr in den langen Rock meines Abendkleids und bauschte ihn auf. In solchen Momenten konnte man vergessen, dass die Erde zu einem feindlichen Lebensraum mit giftigem Regen, schweren Stürmen und Überschwemmungen geworden war. Der Mond stand tief und seine Krater waren als feine blaugraue Linien gut erkennbar. Ich ging über die vom Regen in Mitleidenschaft gezogenen Bodenplatten bis zum Rand der Terrasse. Sie war rechts und links mit einer gut eineinhalb Meter hohen Mauer umgeben, da das Gelände danach steil abfiel. Ich seufzte laut, weil ich mich unbeobachtet fühlte, und stützte mich mit den Ellenbogen auf der kalten Steinbrüstung ab.
   »So unglücklich?«, fragte plötzlich eine dunkle Stimme hinter mir. Überrascht drehte ich den Kopf. Es war Tarsos. Er lächelte nicht, er schien nicht einmal besonders neugierig. Trotzdem konnte ich nicht verhindern, dass mein Puls sich beschleunigte. Wie konnte das nur sein? Er hatte mich kaum beachtet, war fast unhöflich gewesen und nun machte mein Herz einen kleinen Sprung, weil er mir offensichtlich auf die Terrasse gefolgt war. Wie hatte er mich wortlos so beeindrucken können?
   Ich drehte den Kopf wieder zurück, weil ich wollte, dass er näher kam. Es funktionierte. Als er sich neben mich an die Brüstung lehnte, überragte er mich um fast eine Kopflänge. Er drehte sein Gesicht zu mir und ich sah die stumme Aufforderung darin. Offenbar war er es nicht gewohnt, dass man seine Fragen nicht umgehend beantwortete. Ich ließ ihn zappeln, weil ich keine seiner Angestellten war. Tarsos verzog keine Miene, doch in seinen harten grünen Augen, die selbst im Dämmerlicht des Mondes ungewöhnlich leuchteten, blitzte etwas auf. Wieder konnte ich es nicht deuten. Fakt war jedoch, auch er konnte sich in seinem Anzug und mit den sorgfältig frisierten Haaren nur als kultiviertes Wesen verkleiden. Seine Augen verrieten das Raubtier, das wir alle waren und so gern für immer verbannt hätten. Ich hielt seinem Blick stand, bis ich mir sicher war, dass er verstanden hatte, dass ich von ihm keine Befehle annehmen würde. Dann imitierte ich seine herablassende Art, zu sprechen.
   »Das war eine sehr indiskrete Frage, darauf muss ich nicht antworten.«
   Tarsos’ Miene blieb ausdruckslos, dann beugte er sich zu mir herüber. Er griff nach meinem linken Träger, der ein Stück die Schulter hinabgerutscht war, und schob ihn an seinen Platz zurück. Sein Verhalten war unverschämt, wir kannten uns schließlich gar nicht. Und doch ließ ich ihn gewähren. Ich spürte seine Finger an meiner Haut, seine Berührung, die fast wie ein Streicheln anmutete, diese vertrauliche Geste, die provozierend und verwirrend zugleich war …
   Im nächsten Moment war er weg. Ich hörte noch seine Schritte hinter mir und konnte nicht glauben, dass er mich einfach stehen gelassen hatte.

Ich wartete eine Weile, ehe auch ich die Terrasse wieder verließ, denn ich wollte es nicht so aussehen lassen, als ob ich ihm womöglich nachgelaufen wäre. Sollte er doch denken, was er wollte. Mich schüchterte er nicht ein. Und jemand, der sich nur für seine Arbeit interessierte, schien wohl auch nicht bereit, sich auf eine Partnerschaft einzulassen.
   Ich fragte mich ernsthaft, warum meine Eltern ihn ausgewählt hatten, beziehungsweise, welche Kriterien er erfüllte, die ihn zu einem guten potenziellen Ehemann für mich machten. Sein Verhalten grenzte schon fast an Unfreundlichkeit und ich hoffte, dass er uns bald wieder verlassen würde. Im Esszimmer hakte sich meine Mutter scheinbar freundschaftlich bei mir unter, doch die Härte ihres Griffs ließ mich nichts Gutes ahnen. Sie führte mich aus dem Raum in die Eingangshalle und funkelte mich dann böse an.
   »Jetzt reiß dich bitte zusammen, Nikka«, zischte sie. »Was ist bloß los mit dir?«
   »Gar nichts«, brummte ich.
   »Du benimmst dich unmöglich, isst kaum etwas, beteiligst dich nicht an den Tischgesprächen und ziehst ein beleidigtes Gesicht. Haben wir dir etwas getan? Geht es dir vielleicht einfach zu gut?«
   »Wie bitte?«
   »Dein Vater und ich tun alles für dich! Und du benimmst dich so undankbar und vergraulst unseren Gast.«
   »Ich habe ihn nicht vergrault. Er hat gar kein Interesse an mir. Ich glaube, er ist bereits verheiratet. Sie heißt ‚Arbeit‘ und fordert die volle Aufmerksamkeit von ihm.« Mein Ton klang verletzter als beabsichtigt. Bei Mutter jedoch zeigte er sofort Wirkung. Ihr Blick wurde weicher und sie strich sacht über meinen Oberarm.
   »Ach Kind. Es muss ja nicht dieser sein. Wir finden schon jemanden für dich.« Das »wir« in diesem Satz gefiel mir nicht, doch um der guten Stimmung willen nickte ich. Sie strich kurz über meine Haare und legte dann einen Arm um meine Taille.
   »Komm, wir gehen noch ein bisschen hinein. Sei nicht enttäuscht, wir finden jemand anderen für dich.«
   Ich ließ die Schultern hängen und versuchte, nicht daran zu denken, dass dieses Gespräch eben den Verkupplungswahn meiner Eltern vermutlich noch verstärkt hatte.
   Im Esszimmer ließen die Gesprächsfetzen vermuten, dass es immer noch um Politik ging. Wie spannend.
   »Nikka«, sagte Vater mit von der angeregten Konversation geröteten Wangen. »Zeig Tarsos doch bitte die Bibliothek. Er sammelt ebenfalls Erstausgaben menschlicher Autoren.«
   Meine Mutter schickte Vater einen eindeutigen Blick, doch er verstand nicht. Tarsos beobachtete meine Reaktion, deshalb nickte ich möglichst wertungsfrei.
   »Folgen Sie mir bitte.« Als wir losgingen, hörte ich Mutter eifrig mit Vater tuscheln.
   Unser Weg verlief schweigend, ich ging immer einen halben Schritt voraus und er machte sich keine Mühe, mich einzuholen. Als ich die schwere Tür in der oberen Etage aufstieß, empfing uns der Geruch nach altem Papier und Leder.
   Tarsos schien sofort voll in seinem Element zu sein, was dazu führte, dass er meine Anwesenheit scheinbar vergaß. Er griff in die Regale, zog Bücher hervor und murmelte anerkennend. Fast ehrfürchtig schlug er ein paar von ihnen auf oder las einen kurzen Abschnitt. Ich sah ihm ungewollt fasziniert dabei zu. Bisher hatte er abweisend und undurchsichtig gewirkt, doch nun, da er so viel Begeisterung zeigte, kam er deutlich sympathischer rüber. Als sein Blick wie zufällig auf mich fiel, die ihn immer noch beobachtete, kehrte er in die Realität zurück.
   »Faszinierend!«
   Ich nickte zustimmend, obwohl ich ernsthaft daran zweifelte, dass wir über dasselbe Thema redeten. Er legte das Buch zurück und kam auf mich zu.
   »Müssen Sie da öfter durch?« Wieder war sein Blick undurchdringlich und emotionslos.
   »Wie bitte?«
   »Sie wissen doch sicherlich genauso gut wie ich, warum wir einander vorgestellt wurden.«
   Ich zuckte die Schultern. »Es ist ein Hobby meiner Eltern.«
   Er nickte und sah mir forschend in die Augen. »Sie hätten ja nicht kommen müssen.«
   »Sie kennen meine Eltern nicht.«
   Fast hätte er gelächelt, da war ich mir sicher, doch stattdessen wanderte sein Blick einmal an mir hinunter bis zu den schlammbespritzten Schuhen und dann wieder hinauf zu meinem Gesicht.
   »Etwas an Ihnen ist … ungewöhnlich«, sagte er dann. »Ich glaube, es ist die Art, wie Sie Ihr Kleid tragen.«
   »Wie darf ich das verstehen?«
   »Sie wirken nicht wie ein Püppchen, das den ganzen Tag vor dem Spiegel sitzt.«
   Wenn das eine Anspielung auf meine dreckigen Schuhe sein sollte, dann würde ich sie einfach überhören. Ich sah ihn misstrauisch an. Machte er sich etwa lustig über mich?
   »Ich sitze ja auch nicht den ganzen Tag vor dem Spiegel«, erwiderte ich deshalb.
   »Und was machen Sie dann?«
   Nun steckte ich in einer Zwickmühle. Meine Eltern hatten mir verboten, in ihrem Haus über meine Arbeit zu sprechen. Es war ihnen peinlich, weil es unschicklich war, und für eine geborene Ekishtura gehörte es sich schon gar nicht. Ich blickte auf den Boden, damit er mir den Kampf in meinem Inneren nicht ansah. Als ich wieder aufsah, hob Tarsos provozierend die Augenbrauen.
   »Also doch ein Püppchen«, sagte er dann.
   Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, konnte mich aber in letzter Sekunde bremsen und klappte ihn nur wütend wieder zu.
   »Schade«, murmelte er, dann wandte er sich zum Gehen. »Würden Sie mich zurück zu Ihren Eltern begleiten, ich muss leider aufbrechen.«
   »Ich bleibe noch ein wenig hier«, erwiderte ich kalt.
   Tarsos nickte kurz und wirkte nicht einmal sonderlich überrascht. »Dann noch einen guten Abend.« Sobald er die Tür hinter sich zugezogen hatte, ließ ich mich auf einen niedrigen Sessel fallen. Was bildete er sich eigentlich ein? Glaubte er, nur weil er gut aussah, würde ich ihm zuliebe das brave Püppchen spielen, das sich alles sagen ließ und kicherte, wenn er seine Unverschämtheiten über mir ausschüttete? Sollte er sich doch verlaufen in den vielen Gängen!
   Ich wartete noch eine Weile, bis ich unten die schwere Eingangstür ins Schloss fallen hörte. Endlich, er war weg, dieser schwer einzuschätzende potenzielle Lebensabschnittsgefährte, der so offensichtlich gar kein Interesse an mir hatte. Jetzt, wo ich wusste, dass wir wieder unter uns waren, schlich ich über die langen Gänge zurück Richtung Speisesaal. Schon auf der breiten Treppe, die in das untere Stockwerk führte, entdeckte ich meine Eltern, die schon wieder tuschelnd in der Eingangshalle herumstanden. Ich erwartete bereits das übliche Donnerwetter, doch als ich näher kam, strahlte meine Mutter mich herzlich an. Kaum hatte ich einen Fuß auf den steinernen Boden der Eingangshalle gesetzt, kam sie auf mich zu und hielt mir einen gefalteten Zettel entgegen.
   »Ich freue mich so für dich, Kind«, sprudelte es aus ihr heraus, noch bevor ich nach dem beschriebenen Stück Papier greifen konnte.
   »Wieso?«, fragte ich vorsichtig.
   »Er hat dir eine Nachricht hinterlassen«, sagte Mutter und ihre Stimme hatte einen leicht euphorischen Klang. Mein Vater im Hintergrund lächelte dazu schief. Ungewollt beeindruckte mich dieser Ausbruch an emotionaler Mimik mehr als der Vielleicht-Liebesbrief in meiner Hand. Ich wusste nicht, wann ich Vater das letzte Mal so verschmitzt hatte lächeln sehen.
   »Nun lies schon«, drängelte meine Mutter.
   »Weißt du etwa, was drinsteht?«
   »Nein, aber das macht es ja so spannend.«
   »Ich weiß nicht …«, druckste ich herum. »Vielleicht ist es etwas sehr Persönliches, was er mir schreibt. Und außerdem, wieso hat er es mir nicht in der Bibliothek gesagt? Von dort komme ich gerade.«
   Mutter hatte offensichtlich keine Lust, sich länger meine Einwände anzuhören. Stattdessen wollte sie mir doch tatsächlich den Zettel wieder aus der Hand schnappen. Weil ich grundsätzlich schneller war als sie, hatte ich die Hand zurückgezogen, bevor sie ihr Ziel auch nur ansatzweise erreichen konnte.
   »Wir sind immerhin deine Eltern, Kind! Wir dürfen alles lesen, was dir ein Fremder schreibt.«
   »Ach, er ist ein Fremder? Ich dachte, er wäre auf dem besten Weg einer von den neuen Ratsberatern zu werden. Gehört er dann nicht auch irgendwie zur Familie?«
   »Nun werde mal nicht frech, Fräulein.«
   »Und außerdem …«, holte ich weiter aus, »… bin ich wohl aus dem Alter heraus, in dem ihr ungefragt meine Tagebücher lesen konntet.«
   »Das haben wir nie getan«, schnaufte meine Mutter. Vater sagte lieber gar nichts.
   »Gib es auf«, erwiderte ich. »Ich weiß es.«
   Mutter schnaufte erneut höchst unelegant. »Das hier sind aber keine Tagebücher«, sagte sie plötzlich.
   Ich knüllte den Zettel in meiner geballten Faust zusammen. Eigentlich interessierte es mich sowieso nicht wirklich, was er mir schrieb. Was sollte es schon Großartiges sein? Er war unverschämt und kalt, ich war unfreundlich gewesen, was also hätte er mir zu sagen gehabt?
   »Ich bin müde«, sagte ich. »Ich werde mich mal auf den Weg machen.«
   Mutter guckte zwar beleidigt, sah aber wohl ein, dass die Nachricht für mich und nicht für sie bestimmt war, und verabschiedete sich von mir. Auf dem Weg zum Auto fing Jaro mich mal wieder ab.
   »Wo hast du gesteckt? Eli sagte, sie hat mehrmals versucht, dich zu erreichen und dein Telefon war immer aus!«
   »Soso«, grinste ich. »Eli sagt das also … hm?« Eli war die Enkelin von Mutters Schneiderin. Sie war halb Blutdämonin, halb Diploidin und wirklich bildhübsch. Jaro und sie hatten sich hier in der Villa bei einer Anprobe kennengelernt. So wie es aussah, hatte er sich Hals über Kopf in sie verliebt. Ich konnte immer noch nicht glauben, dass mein Bruder, dieser unverbesserliche Weiberheld, zu solcherlei tiefen Gefühlen fähig war.
   Jaros Augen begannen zu glänzen. »Wir haben uns schon zwei Mal getroffen, sie ist bezaubernd!«
   »Sei bloß lieb zu ihr.«
   »Ich bin lieb zu ihr!«
   »Na gut …«
   »Und wo hast du nun gesteckt? Deine Kleider sind fertig für die zweite Anprobe und Eli wollte mit dir einen Termin ausmachen.«
   »Ich hatte viel zu tun …«
   »Ach wirklich?«, fragte Jaro. »Glaubt man den Berichten, die bis in meine Abteilung dringen, kommen die Jäger zurzeit vor Langeweile kaum in den Schlaf.«
   Überrascht sah ich zu ihm hoch. Ich hatte komplett vergessen, dass Jaro mittlerweile auch für meinen Vater arbeitete.
   »Und wie ist es so bei dir?«
   »Viel zu tun«, entgegnete Jaro grinsend. »Aber sie lassen mich wieder an einen Computer, das hat schon mal was.«
   »Wirklich? Darfst du Sicherheitssysteme knacken und Leute ausspionieren?«
   »Ähm.« Jaro wuschelte sich durch seine langen Haare wie immer, wenn er nervös war.
   »Du musst gut sein.«
   »Warum?«, fragte er hastig und plötzlich wirkte er nicht mehr so entspannt wie vorhin.
   »Was hast du?«
   »Nichts.«
   »Doch. Du bist plötzlich so komisch.«
   »Gar nicht.«
   »Doch.«
   »Warum meintest du, ich müsse gut sein, in dem was ich tue?«, fragte Jaro weiterhin grinsend, doch seine Mimik wirkte aufgesetzt.
   Ich sah ihn eine Weile prüfend an. Etwas stimmte nicht mit ihm, seit ich ihn auf seinen Job angesprochen hatte. »Du musst gut sein, weil du deine unmögliche, unseriöse Frisur behalten durftest«, sagte ich schließlich. Sofort entspannte sich Jaros Haltung und sein Lachen wirkte erleichtert und echt.
   »Ach, das meintest du! Ja, sie scheinen mich zu mögen!«
   Wir lachten beide, doch ein Funken Misstrauen blieb.
   »Und Tarsos?«, fragte Jaro. »Wie fandest du ihn?«
   »Er ist irgendwie undurchsichtig«, erwiderte ich.
   »Vater hält große Stücke auf ihn. Ginge es nach ihm, könnte Tarsos mal eine ganz große Nummer im Rat werden.«
   »Da ist er mit seiner unterkühlten Art vermutlich auch richtig.«
   »Er lässt sich nicht in die Karten sehen, das fiel mir im Gespräch mit ihm und Vater auch schon auf. Und manchmal blickt er einen an, also wollte er abschätzen, ob man ein Gegner werden könnte, den er ernst nehmen müsste oder ob er einen mit dem Daumen einfach zerquetschen kann.«
   Mein friedliebender Bruder schüttelte sich unbehaglich. Jaro hatte schon als kleiner Junge niemandem etwas tun können. Lieber ließ er sich von Mayra verhauen, als dass er sich gewehrt hätte. In diesem Punkt hatten wir wenig gemeinsam.
   »Aber er sieht gut aus«, sagte Jaro gutmütig und in dem harmonischen Bestreben, wenigstens ein gutes Haar an Tarsos zu lassen.
   »Hm«, brummte ich wertungsfrei.
   »War das nun ein Ja oder ein Nein?«, wollte Jaro wissen. »Oder bist du seit … na, wie hieß er noch? Den exotischen Namen konnte ich mir einfach nicht merken.«
   »Levian«, flüsterte ich erstickt.
   »Genau! Oder bist du seit Levian noch nicht wieder in der Lage, das Aussehen eines anderen zu beurteilen?«
   »Er sieht ganz gut aus«, gab ich mich geschlagen.
   »Schon okay, ich lasse das Thema.«
   »Danke.«
   »Und? Was hast du noch Hübsches vor?«
   »Ich werde ins Bett gehen und schlafen. Morgen Nacht habe ich Dienst.«
   »Verstehe.« Jaro nickte. »Denkst du an Eli wegen des Termins?«
   »Mache ich.«
   Jaro umarmte mich lächelnd. »Dann pass gut auf dich auf, ja?«
   »Du auch.«
   »Aber sicher.« Er nickte und wieder hatte ich das Gefühl, er wollte mir dringend etwas sagen, doch dann öffnete er mir nur galant die Autotür und schloss sie leise hinter mir.
   Erst als ich nach dem Lenkrad greifen wollte, fiel mir auf, dass ich immer noch den zusammengeknüllten Zettel in der Hand hielt. Ich legte ihn auf den Beifahrersitz und fuhr los, bis Jaro und das Anwesen meiner Eltern außer Sicht waren. Dann entfaltete ich den Zettel etwas umständlich mit einer Hand.
   »Wir sollten uns auch einmal in meiner Bibliothek zusammen langweilen« stand dort. Darunter ein Datum, eine Uhrzeit und eine Adresse. Mehr nicht. Keine Anrede, keine Verabschiedung, keine Unterschrift. Ich schüttelte den Kopf über so viel Arroganz und warf den Zettel in den Fußraum des Beifahrersitzes.
   In meinem Apartment schlich ich müde und erschöpft ins Bett. Wie von selbst wanderten meine Gedanken zu Tarsos und ich überlegte, warum er mich wohl noch mal treffen wollte. Besonders begeistert schien er ja nicht von mir gewesen zu sein. Und sein arrogantes Auftreten und die ziemlich unterkühlte Art hatten nicht unbedingt dazu beigetragen, dass er auf meiner Sympathieskala in luftige Höhen geschnellt war. Theoretisch.
   Fakt war, ich dachte an sein auffallend gutes Aussehen, diese betörend grünen Augen und sein herrlich unbeeindrucktes Gehabe, als Mutter sich mal wieder vor lauter Angeberei förmlich überschlagen hatte. Ich lächelte in die Schwärze, als ich mich daran erinnerte, wie begeistert er von den Büchern meines Vaters war. Und wie für einen kurzen Moment seine so wohlkoordinierten Gesichtszüge überrascht verrutschten, als er sich meiner Anwesenheit plötzlich wieder bewusst wurde. Es war schließlich nur eine harmlose Verabredung. Etwas Abwechslung würde mir guttun. Obwohl mein Herz protestierte, verbot ich mir, ihn mit Levian zu vergleichen. Das mit Levian war einzigartig gewesen. Ich würde ihn niemals vergessen, aber ich würde auch nicht den Schmerz vergessen, den er mir durch seinen Verrat zugefügt hatte. Die Einladung von Tarsos würde eine nette Abwechslung zu meinem Alltag sein. Mehr nicht.

Kapitel 2
»Sie testen uns!«

Am nächsten Abend ging es los.
   Alle im Aufenthaltsraum schreckten auf, als die Warnleuchten zum ersten Mal seit vielen Tagen wieder zu blinken anfingen. Die nachfolgende Durchsage ließ erkennen, dass es Ernst war.
   »Alle verfügbaren Einheiten bereit machen! Ich wiederhole: Alle verfügbaren Einheiten bereit machen!«
   Yaris, die in einer ausgebeulten Trainingshose hinter ihrem Schreibtisch gesessen hatte, sprang auf. »Leute, ihr habt es gehört. Alle umziehen und dann auf die Maschinen.«
   Auf den Fluren herrschte Gedränge und die Aufzüge waren überfüllt. Diesen Befehl hatte ich vorher noch nie gehört. Es musste tatsächlich richtig was los sein, wenn mit einem Schlag alle verfügbaren Jäger mobilisiert wurden.
   In den Umkleideräumen standen wir dicht an dicht, und als ich endlich meinen Helm aufhatte, wirkte Cayo regelrecht hysterisch.
   »Nikka! Sie sind überall! Sie haben sich um die Kirchen herum versammelt, sie sind zu Dutzenden in den Parks unterwegs und es werden immer mehr! Es ist keine fünf Minuten her, da bekamen wir die ersten Bilder. Sie scheinen aus dem Boden herauszukommen, anders kann ich mir ihr plötzliches Erscheinen nicht erklären!«
   »Aktiv oder passiv?«, fragte ich routiniert.
   »Passiv. Sie erwecken nicht den Eindruck, eine Auseinandersetzung zu provozieren, sie sind nur einfach da!« Cayos Stimme überschlug sich.
   »Wo sollen wir hin?«
   »Ihr fahrt zur Ruine der Pauluskirche. Wir haben circa sechzig Engel dort gezählt. Team B3 und Team C6 werden euch unterstützen.«
   »In Ordnung.«
   Wir sammelten uns hinter Yaris und gemeinsam rasten wir die Rampe hinauf.
   »Wie viele Schwerter?«, fragte ich.
   »Wir wissen es nicht«, erwiderte Cayo. »Es sind einfach zu viele. Sei auf alles vorbereitet, Nikka, okay?«
   »Ich werde mir Mühe geben.«
   In einer Kolonne verschiedener Teams fuhren wir auf die Autobahn und das Blinken der vielen Lichter in der Dunkelheit hatte etwas Gespenstisches. Noch nie waren wir alle gleichzeitig unterwegs gewesen. Es wirkte, als würden wir uns aufmachen in eine Schlacht, die noch in der heutigen Nacht entweder der einen oder der anderen Armee den endgültigen Sieg bescheren würde. Vor und hinter uns nahmen immer wieder Einheiten die Ausfahrten, um zu ihren verschiedenen Einsatzorten zu gelangen. Mein Herz raste, doch ich zwang mich zur Ruhe. Was auch immer die Engel ausgeheckt hatten, wir würden sie besiegen. Wir waren unsterblich. Sie nicht. Und deshalb konnten sie nur verlieren.
   Als wir auf die Pauluskirche zufuhren, schaltete uns die Zentrale auf Gruppenfunk. Ich versuchte, nicht daran zu denken, was ich tun sollte, wenn ich Levian wieder begegnen würde.
   »Formieren«, sagte Yaris und auch die anderen beiden Teams ließen ihre Maschinen ausrollen und stiegen ab. Ich hängte meinen Helm ans Motorrad, tastete sicherheitshalber nach dem Mikro in meinem Ohr und zog noch mal den linken Waffengurt am Bein stramm, weil er mir vorhin etwas locker vorgekommen war. Dann folgte ich Yaris, die bereits auf dem Weg war.
   Einzelne Fackeln erhellten das zerfallene Gebäude und ihre Flammen tanzten in einem zuckenden Rhythmus über die alten Steinquader. Es sah aus, als hätten sie die Kirche extra erhellt, damit wir sie nicht verfehlen konnten. Dann löste sich eine Gestalt aus dem Schatten der Lichter. Und dann noch eine. Und noch eine. So ging es weiter, bis eine ziemlich große Gruppe Engel die Ruine umstellte. Die Teams B3 und C6 übernahmen die seitlichen Flügel, Yaris platzierte uns am vorderen Eingang.
   »Wie schön, dass ihr es einrichten konntet!«
   Als die Stimme erklang, brauchte ich einen Moment, um sie zuzuordnen. Der Anführer der Gruppe, ein wahrhaft riesiger Engel mit schneeweißen überdimensionalen Flügeln, trat aus der Formation. Sein kurzes dunkelbraunes Haar besaß einen kupferfarbenen Schimmer, wenn das Licht der Fackeln seine Silhouette streifte. Yaris hob die Rechte, um Mik und andere Temperamentvolle im Team daran zu hindern, sich sofort auf ihn zu stürzen.
   »Ich hoffe, ihr habt gut hergefunden?«
   Wieder dachte Yaris nicht daran, auf seine provozierenden Äußerungen zu reagieren. Die linke Hand des Engels bewegte sich und sofort griff ich nach meiner Waffe. Er hob langsam den Arm, damit wir ihm dabei zusehen konnten. Dann schnippte er mit drei Fingern in die Luft und alle Engel zogen gleichzeitig ihre Flügel ein. Ich schluckte und war ungewollt beeindruckt von diesem Schauspiel.
   Mein Blick wanderte die Reihe entlang und blieb an einem weiblichen Engel hängen, deren dunkelrotes Haar um ihren Kopf wallte wie flüssiges Magma. Unsere Blicke trafen sich. Dann lächelte sie. Ich starrte gebannt zu ihr, weil sie so wunderschön war und überhaupt keine Angst vor uns zu haben schien, da schnippte der Engel ein zweites Mal und sie zogen ihre Schwertgriffe. Ich hörte ihn sprechen, ein näselnder Singsang, und ich erkannte die Worte wieder.
   »Nein«, keuchte ich, da aktivierten sie alle gleichzeitig ihre Schwerter und lange blaue Flammenklingen tauchten die milchig weiße Haut ihrer Gesichter in ein unwirkliches Licht. Das Haar der Rothaarigen bekam einen fast violettfarbenen Schimmer und ich flüsterte noch mal »Nein«, als sie mich erneut anlächelte.
   »Angriff«, rief Yaris und auch die anderen zwei Teams stürmten los. Die Engel ließen uns ziemlich nah herankommen, bevor sie reagierten. Ich bemerkte, wie die Rothaarige mich fixierte und sich den Weg durch das Getümmel bis zu mir bahnte. Als sie näher kam, begann mein ehemals verletzter Arm so sehr zu brennen, dass ich Sterne vor den Augen sah. Ich ließ die Waffe fallen, weil meine Finger taub wurden, und konnte ein Keuchen nicht unterdrücken, als der Schmerz bis in meine Schulter hinaufzog.
   Sie blickte verwundert. »Du kennst es schon«, sagte sie dann. Wenige Sekunden lang sahen wir uns an, während um uns herum eine wilde Schlacht tobte. Dann nickte ich. Ihr hübscher Mund verzog sich zu einem grausamen Lächeln. »Es wird euch alle töten.« Ihre Stimme klang, als würde sie alles, was sie sagte, ein bisschen lustig finden. Doch dann hob sie ihr Schwert.
   Mit der freien Hand stieß sie gegen die verletzte Schulter und trat mir im nächsten Moment die Beine weg. Ich fiel, weil der Schmerz mich fast besinnungslos werden ließ und prallte auf den harten Asphalt. Zum Glück schaffte ich es instinktiv, den Kopf hochzuhalten. Sofort stürzte sie sich auf mich. Mit leuchtender Klinge flog sie mir förmlich entgegen. Ich riss meine zweite Waffe mit der gesunden Hand aus dem Halfter und schoss ihr mitten ins Herz. Ihre Flammenklinge erlosch und sie kreischte, während ihr sterbender Körper auf meinen fiel. Ich schubste sie von mir hinunter, bevor sie zerfloss, und richtete mich ächzend wieder auf. Der Schmerz in meinem Arm war plötzlich wie ausgeknipst.
   »Irrtum«, sagte ich zu ihren verschwimmenden Überresten. »Wir werden euch alle töten, so sieht das aus.« Dann sprang ich wieder auf die Füße.
   Das ganze Team kämpfte mit grimmiger Besessenheit und Mik, als wirklich exzellenter Schütze, dezimierte die Engel systematisch, ohne dass sie ihm auch nur ansatzweise zu nahe kommen konnten. Dann hörte ich Pina schreien. Ich suchte sie in der kämpfenden Menge und fand sie schließlich. Auf dem Boden zusammengerollt hielt sie ihren linken Arm umklammert und ein riesiger Engel stand breitbeinig über ihr.
   »Mik! Pina braucht Hilfe«, hörte ich Yaris rufen. Mik stürmte los und fegte die Engel, die sich ihm in den Weg stellten, beiseite wie Marionetten. Noch im Laufen erschoss er den Engel und musste dann Pinas gekrümmten Körper unter seinem Rest hervorziehen. Wieder hörte ich sie gequält aufschreien. Mik hob sie hoch. Doch dann ging er noch mal in die Hocke und sammelte etwas vom Boden auf.
   »Scheiße«, hörte ich ihn keuchen. »Er hat es geschafft, ihr die Hand abzutrennen!«
   »Wiederholen«, bellte Yaris durch das Schlachtgetümmel.
   »Sie hat eine Hand verloren!«
   Ich sah kurz zu den beiden hinüber, während ich wieder zielte, und wollte nicht glauben, was Mik gerade wiederholt hatte. Ihr Feuer konnte uns bisher nichts anhaben, doch nun?
   »Es ist das blaue Feuer«, rief Mik. »Weicht ihnen aus, lasst sie nicht an euch ran!«
   Wieder hallte ein eindeutig dämonischer Schrei durch die Nacht. Jemand aus einem anderen Team schien ernsthaft verletzt. Ich schoss wild um mich, immer darauf bedacht, keinem der Engel zu nahe zu kommen. Dann ertönte ein dritter Schmerzensschrei aus unseren Reihen und wie auf ein geheimes Zeichen zogen die Engel sich an die Mauern zurück.
   Ihr unversehrter Anführer hob seine Waffe und seine klare Stimme drang mühelos durch die Nacht. Eine blaue Woge rollte aus seinem Flammenschwert, umrundete die Kirche und schloss die Engel dahinter ein. Yaris hielt nach jemandem Ausschau, der sie über die flammende Wand werfen konnte, da zerfiel die blau-zischende Mauer zu vielen kleinen harmlosen Brandherden. Die Engel dahinter waren verschwunden.
   »Zentrale, wir brauchen Hilfe, wir haben hier Schwerverletzte«, keuchte Yaris in ihr Mikro, als der Spuk vorbei war. »Wie ‚transportfähig‘?«, schrie sie dann. »Woher soll ich wissen, ob unsere Leute transportfähig sind, wir haben normalerweise keine Schwerverletzten!«
   Pina wimmerte leise auf Miks Arm und ihr Blut lief in Strömen an seiner Seite hinunter. Mik stand der Schweiß auf der Stirn, aber nicht, weil ihm warm war.
   »Nein, sie kann nicht fahren«, rief Yaris. »Ihr wurde eine Hand abgetrennt!«
   Hento eilte schwer atmend zu Pina und streichelte ihr beruhigend über den Kopf.
   »Na vielen Dank«, keifte Yaris. »Was ist das bitte für eine Einsatzkoordination!« Sie zog wutentbrannt das Mikro aus dem Ohr und ließ es über den Kragen ihres Anzugs baumeln. »Unfähige Idioten«, murmelte sie dann. Das gesamte Team hatte sich um Pina versammelt und alle wirkten total schockiert.
   »Okay, Leute«, begann Yaris. »In der Zentrale ist man offenbar nicht auf Verletzte vorbereitet. Und alle verfügbaren Einheiten sind noch unterwegs. Wir müssen es schaffen, Pina irgendwie ins Hauptquartier zu bringen. Ich frage bei B3 und C6 an, wie es um ihre Verletzten steht. Überlegt euch in der Zwischenzeit, was wir mit Pina machen. Mik, hast du die Hand noch?«
   Mik nickte und sah dabei echt fertig aus.
   »Gut, ich bin gleich wieder da.« Yaris stiefelte los. Ich legte beruhigend einen Arm um Mik.
   »Ich kann sie mit auf mein Motorrad nehmen«, sagte er. »Aber wie soll ich dann lenken, während ich sie festhalte?«
   »Meinst du, du kannst zwei vorn mitnehmen?«, sprach ich meine Überlegung aus.
   Mik musterte mich kurz. »Das passt nicht.«
   »Mit mir zusammen vielleicht nicht …« Ich blickte mich um und suchte nach Vil, einer ziemlich kleinen Gestaltwandlerin, die sogar noch weniger als Yaris wog.
   »Was ist mit Vil? Sie ist winzig. Wenn sie Pina festhält, während du fährst, sollte es klappen. Deine Maschine ist so groß, da passen vorn locker noch zwei schmale Personen mit drauf.
   »Das sollten wir probieren«, stimmte Vil mir zu.
   Yaris kam wieder und sah ziemlich schockiert aus. »In Team B3 hat jemand ein Bein verloren und C6 hat ebenfalls jemanden mit abgeschlagener Hand.«
   »Wir wollen Pina mit Mik und Vil zusammen auf Miks Maschine transportieren. Vil hält Pina fest, während Mik fährt.«
   »Das klappt doch nie«, sagte Yaris desillusioniert.
   »Es muss klappen.« Mik trug Pina zu seiner Maschine. Vil setzte sich auf die breite Sitzfläche und nahm Pina entgegen, während Mik sich hinter ihr niederließ und dank seiner Körpergröße immer noch mühelos das Lenkrad erreichte.
   Die abgekämpften Jäger von C6 und B3 nickten anerkennend, als sie unser Vorhaben erkannten und begannen, mit ihren Verletzten ebenso zu verfahren. Langsam setzte sich unser Korso in Bewegung. Miks Maschine schwankte ein paar Mal gefährlich, doch dann hatte er sich an die ungewöhnliche Konstellation gewöhnt.
   Im Hauptquartier herrschte heilloses Durcheinander. Hinzu kam, dass der komplette Funkverkehr zusammengebrochen war. Die Sanitätszimmer waren hoffnungslos überfüllt und Pina jammerte nicht mal mehr, so schwach wirkte sie. Mik legte sie im Aufenthaltsraum auf den großen Tisch und ihre abgetrennte Hand ein Stück abseits von ihr. Innerhalb kürzester Zeit bildete sich eine große Blutlache um ihren Arm.
   »Wir müssen ihr doch helfen«, flüsterte Yaris und in ihren großen Augen standen Tränen.
   »Ich konnte nicht einmal an Nähzeug kommen«, sagte Hento leise. »Im Sanitätszimmer ist alles schon weg. Und selbst wenn, eine Hand annähen, das kann man nicht so einfach, da muss man ein bisschen Ahnung haben!«
   Bei seinen Worten fiel mir etwas ein.
   »Ich weiß jemanden«, rief ich und rannte schon los. Weil alle Aufzüge überfüllt waren, nahm ich die vielen Treppen und keuchte erschöpft, als ich endlich an den Werkstätten ankam. Ich stürmte durch die Tür und hoffte, dass die freundliche Diploidin da war. Und ich hatte Glück, sie stand vor einer ihrer Schneiderpuppen und prüfte die Qualität eines Anzugs.
   »Bitte«, stieß ich nach Luft ringend aus. Ihr Kopf flog herum.
   »Kindchen, was ist los? Du bist ja ganz außer dir!« Sie kam besorgt auf mich zu, doch ich hob abwehrend die Hand.
   »Nicht ich«, japste ich. »Eine Kollegin! Bitte!«
   »Was soll ich tun?«, fragte sie etwas ratlos.
   »Ihr Nähzeug, bitte, holen Sie Ihr Nähzeug. Die Hand meiner Kollegin …«
   Die Diploidin riss vor Schreck die Augen weit auf. »Sag das nicht!«
   »Doch! Bitte helfen Sie uns … Sie sind die Einzige, der ich das zutraue!«
   »Ich komme sofort.« Sie kugelte davon und ihre rundliche Gestalt war erstaunlich schnell. Sie raffte ein paar große Tücher zusammen und warf dann diverse Metallboxen in einen geflochtenen Korb. »Los!« Sie deutete zur Tür und ich hastete hinaus. Zusammen eilten wir die vielen Stufen wieder hinunter bis zu unserer Etage.
   Pinas Atem war mittlerweile so flach, dass er kaum noch zu hören war.
   »Wir brauchen Platz«, rief ich und meine Kollegen machten den Tisch frei.
   »Das arme Ding!« Die Diploidin packte ihre Metallboxen aus und zog verschieden dicke Nadeln und die unterschiedlichsten Garnrollen hervor. »Die Hand bitte!« Mik reichte sie ihr. »Schon ganz kalt«, brummte die resolute Schneiderin, dann hielt sie die beiden Stümpfe aneinander.
   »Hilf mir, Kindchen.« Sie winkte mich heran, fädelte einen zarten Faden auf eine feine Nadel und wies mich an, wie ich Pina und ihre Hand halten sollte. Ich hatte gedacht, sie würde nur ein Mal drum herum nähen, stattdessen setzte sie ihre Brille auf und begann im Inneren des Arms verschiedene Adern wieder aneinanderzunähen.
   Die anderen sahen atemlos zu, während Yaris sich eines der großen Tücher geschnappt hatte und das Blut aufwischte, das vom Tisch zu tropfen drohte. Pina zuckte nicht einmal mehr, als die Nadel immer wieder durch ihren Arm stach. Irgendwann verdrehte sie die Augen und wurde ohnmächtig. Hento streichelte stumm ihren Kopf, wobei Tränen seine Wangen hinabliefen. Die Diploidin tauschte die blutige Nadel gegen ein etwas größeres Modell und nähte nun die Haut rings um Pinas Hand wieder aneinander. Dann tupfte sie das restliche Blut von der Wunde und betrachtete kritisch ihr Werk.
   »Mehr kann ich nicht tun. Den Rest wird die Zeit zeigen.«
   Riki hatte in der Zwischenzeit eine Wolldecke aus ihrem Auto geholt und gemeinsam trugen wir Pina auf eine durchgesessene Couch und deckten sie zu. Draußen auf den Fluren schien es noch immer hoch herzugehen. Geschrei drang durch die Tür und das Geräusch vieler Schritte hallte durch die Gänge.
   »Ich danke Ihnen«, sagte Yaris und schüttelte der Schneiderin die Hand. »Ohne Sie hätte meine Mitarbeiterin die Hand verloren.«
   Cayo stürzte in den Raum. »Was für ein Glück, ihr seid schon wieder hier! Der Funkverkehr ist ausgefallen und wir haben den Kontakt zu euch verloren. Aber wenigstens habt ihr keine Verletzten, das ist gut!«
   Wir alle schwiegen betroffen.
   »Was ist mit euch? Habe ich etwas Falsches gesagt?«
   Hento deutete wortlos auf Pinas zusammengekrümmte Gestalt unter der verfilzten Decke.
   »O nein«, flüsterte Cayo. »Ihr auch? Wie geht es ihr?«
   »Was meinst du mit ‚ihr auch‘?«, fragte Mik scharf.
   »Aus jedem Team ist ein Jäger verletzt worden«, erzählte Cayo und sein massiger Körper bebte vor Aufregung. »Und jedem wurde ein …« Sein Blick schweifte hinüber zu Pina, die unter der Decke kaum zu sehen war.
   »Jedem wurde ein Körperteil abgetrennt«, ergänzte Yaris seinen Satz. Cayo nickte.
   »Das ist doch kein Zufall«, sagte Hento mit seinem messerscharfen Verstand und Riki nickte sofort zustimmend.
   »Wie sieht es bei ihr aus?«
   »Es ist ihre linke Hand.«
   »Und nun?«, wollte Cayo wissen. Wir drehten uns zu der Diploidin, die sich bescheiden im Hintergrund hielt und ihre Sachen wieder zusammenräumte.
   »Nun haben wir sie mit Nadel und Faden wieder angenäht«, sagte sie, weil alle Blicke auf ihr ruhten.
   »Sie sind …?«
   »Eine Schneiderin.«
   »Verstehe.« In dieser Nacht, die so viel Durcheinander und Verletzte gebracht hatte, irritierte Cayo nichts mehr. »Wir haben gleich eine Besprechung, dort werden wir die Ereignisse der Nacht zusammenfassen und auswerten. Es sind fast alle Teams wieder im Haus und bis jetzt sind keine Engel mehr gesichtet worden. Ich komme noch mal vorbei, wenn ich Ergebnisse habe!« Er nickte noch einmal in die Runde, dann hastete er aus dem Zimmer. Der Stoff seines Oberhemds klebte an seinem Rücken.
   »Vielen Dank für die spontane Hilfe«, sagte ich zu der Schneiderin und drückte ihre kleine Hand.
   »Gern, Kindchen. Man tut, was man kann.« Auch die anderen aus dem Team riefen ihr dankende Worte zu, als ich sie aus dem Zimmer geleitete. Ich wollte mir gerade eine stärkende Dose Blut anwärmen, da ließ sich Hento ächzend auf einen Stuhl fallen.
   »Leute, das ist doch alles kein Zufall«, sagte er. Yaris, die immer noch die Tischplatte säuberte, sah fragend zu ihm herüber.
   »Wie meinst du das?«
   »Habt ihr gehört, was Cayo gesagt hat? Dass aus jedem Team jeweils ein Jäger ein Körperteil einbüßen musste?«
   »Schrecklich!« Riki blickte sorgenvoll zu Pina.
   »Ja, es ist schrecklich«, erwiderte Hento. »Aber noch schrecklicher ist das Muster, das sich daraus abzeichnet.«
   »Ein Muster?«, fragte ich skeptisch.
   Hento sprang auf und sein Stuhl fiel polternd hintenüber. »Kapiert ihr es nicht? Ein Verletzter pro Team. Danach ein geregelter Rückzug, obwohl es gar nicht schlecht für sie lief. Warum?«
   Mik zuckte mit den Schultern. »Weil sie feige sind?«
   »Leute, das sieht für mich verdächtig nach einem Test aus.« Hento hob seinen Stuhl auf und setzte sich wieder hin. »Sie locken uns an, wobei sie sich uns präsentieren wie auf einem Silbertablett. Sie suchen sich Orte aus, an denen sie sich bewusst unseren Kameras zeigen. Sie sind plötzlich so viele, dass das gesamte Hauptquartier ausrückt. Und dann verwunden sie einen Jäger pro Team und sehen was passiert.«
   »Heilige Scheiße«, murmelte Mik.
   »Und was passiert bei uns? Richtig: Chaos entsteht! Der Funkverkehr bricht zusammen, wir können unsere Verletzten nicht transportieren und wir wissen auch eigentlich nicht, wie wir sie heilen sollen. Test nicht bestanden, würde ich sagen. Was soll erst passieren, wenn sie mal so richtig aufdrehen, jetzt wo sie das blaue Feuer haben, das uns offensichtlich ziemlich wehtun kann?«
   »Das klingt alles so nach militärischer Organisation«, warf Riki ein. »Das ist nicht die Vorgehensweise der Engel. Sie arbeiten in kleinen Gruppen, sind fast gar nicht vernetzt und technisch kaum in der Lage, sich so zu organisieren! Dafür bedarf es einer Hierarchie, gewählten Anführern und das kann ich mir nicht vorstellen.«
   »Ich schon«, sagte Yaris mit Grabesstimme und blickte verstohlen zu mir herüber.
   Ich fühlte mich genötigt, etwas zu sagen. »Sie haben Anführer.« Ich versuchte, Levians Gesicht vor meinem inneren Auge zu verbannen, damit mir nicht wieder nach Weinen zumute war. »Vielleicht erst seit Kurzem, aber sie haben welche.«
   »Und woher beziehst du diese bahnbrechenden Informationen?« Riki, die immer gern recht hatte, lehnte sich kampfeslustig über den Tisch.
   »Erinnere dich an ihren Nachnamen, dann weißt du es«, brummte Hento.
   Riki schnaufte. »Sieh mal an. Es wäre nett, wenn du uns ebenfalls mit den brandheißen Insiderinformationen versorgst, die dein Vater seinem lieben Töchterchen verraten hat.«
   »Lass ihren Vater da raus, die beiden verstehen sich überhaupt nicht«, knurrte Mik.
   »Na offensichtlich doch! Woher sollte sie sonst so etwas wissen?«
   »Schluss jetzt«, sagte Yaris bestimmt. »Alles, was wir haben, sind Vermutungen. Wir sind alle aufgebracht, aber das heißt nicht, dass wir uns nun gegenseitig fertigmachen. Ich denke, wir haben mit den Engeln genug am Hals.«
   »Ich bleibe dabei«, sagte Hento. »Es war ein Test. Selbst wenn sie nur erfahren wollten, wie sehr das blaue Feuer uns drankriegen kann.«
   »Und jetzt? Was kommt nun?«, fragte Vil sichtlich beunruhigt.
   Darauf wusste niemand so recht eine Antwort.
   »Wir hoffen natürlich, dass Pinas Hand wieder gut verheilt«, sagte Yaris schließlich.
   »Warum denn auch nicht? Nikkas Arm ist doch auch gesund geworden.«
   »Ja, aber es hat verdammt lange gedauert, dafür, dass sich unsere Wunden normalerweise sofort schließen«, erwiderte Mik. »Und bisher hat es auch noch kein Engel geschafft, einem Dämon eine Hand abzutrennen.«
   »Es war ein Test, ich sage es gern noch mal«, beharrte Hento.
   »Genug!« Yaris stand auf und angelte nach ihren Waffengurten. »Jetzt verhalten wir uns wie nach jedem Einsatz: Wir bereiten uns auf den nächsten vor. Also los. Schutzanzüge kontrollieren, Waffen reinigen, Munition bereitlegen, Motorräder checken. Wenn Cayo von der Besprechung zurück ist, bekommt ihr Bescheid.« Zustimmendes Gemurmel erklang, nur Riki schien widerwillig.
   »Wenn du etwas weißt …«, flüsterte sie und funkelte mich an.
   »Erspare mir deine wirren Verschwörungstheorien«, sagte ich und ließ sie stehen. Zusammen mit Vil und Hento bahnte ich mir einen Weg durch die überfüllten Gänge bis zu den Umkleideräumen. Fast überall war das Blut der Verletzten auf die gummierten Böden getropft und aus einigen Räumen klang heiseres Stöhnen. Ich bekam eine Gänsehaut, die nicht mehr verschwinden wollte.
   Als Cayo nach der offiziellen Besprechung zu uns kam, hatte er Neuigkeiten. Für den Transport von Verletzten sollten Wagen bereitgestellt werden, deren Anlieferung an die Zentralen und Hauptquartiere noch heute Nacht in Auftrag gegeben worden war. Wie es aussah, wurden überall und zur gleichen Zeit die Engelgruppen gesichtet, was auf eine technisch einwandfrei funktionierende Organisation hinwies, die die Experten ziemlich beunruhigte.
   Riki wirkte immer noch sehr aufgebracht und ihre fast hysterisch anmutenden Einwände wurden zu einer misstrauischen Rede gegen mein Insiderwissen und meine vornehme Herkunft, bis ich ihr Schläge androhte und meine Reißzähne angriffslustig hervorschnellten. Yaris schickte Riki ein zweites Mal zum Duschen und ich konnte mich nur mit Mühe wieder zur Ruhe zwingen. Dennoch hatte Riki es geschafft, dass das Team mich argwöhnisch beäugte, so als wäre ich eine Spionin der Engel, die aus Versehen ein Geheimnis ausgeplaudert hatte. Ich hingegen war sauer auf Yaris, denn hätte sie mich mit ihrer Anspielung nicht zu einer Aussage genötigt, wäre jetzt die Stimmung deutlich weniger aggressiv aufgeladen.
   Kurz vor Dienstschluss hing ich mit Mik gerade über einem nervigen Würfelspiel, dessen verzwickte Regeln mein Gehirn einfach nicht verstehen wollte, als Pina unter ihrer Decke zu jammern anfing. Noch bevor Mik und ich aufspringen konnten, war Hento bei ihr. Pinas Augen schimmerten trüb und sie schien unsere Anwesenheit nicht einmal zu bemerken.
   »O nein, bitte nicht, nein!« Hento, der die Decke vorsichtig angehoben hatte, sah entsetzt auf ihre Hand, die sich erneut vom Stumpf zu lösen begann, anstatt endlich wieder anzuwachsen. Das Geflecht aus blauen Linien war so dicht, dass man ihre Haut kaum noch erkennen konnte. Ich sprintete zu Yaris’ Schreibtisch, ergriff eine Schere und schnitt dann den Ärmel von Pinas Anzug bis zur Schulter auf. Ihr kompletter Arm war dunkelblau, so wirkte es zumindest, weil auch hier kaum noch Haut zu sehen war.
   »Was … was passiert hier?«, keuchte Hento und gemeinsam beugten wir uns über Pinas Hand. Die blauen Adern schienen sich zu öffnen und die zischende Flüssigkeit fraß sich mühelos durch das Nahtmaterial. Ich wusste aus eigener Erfahrung, wie schrecklich das blaue Zeug auf der Haut brannte und Pina musste es wirklich sehr schlecht gehen, denn sie zuckte nicht einmal. Die Hautfalten begannen, sich voneinander zu lösen, dann war das rohe Fleisch zu sehen. Wieder platzten kleine Adern und lösten die feinen Fäden. Pinas Hand knickte vom Stumpf weg. Es zischte und fing wieder zu bluten an.
   Hento schüttelte den Kopf in stummem Protest und Mik hatte ihm beistehend einen Arm um die Schulter gelegt. Pinas Hand löste sich endgültig vom Stumpf und ich konnte sie gerade noch auffangen. Sie war eiskalt.
   »Und … jetzt?« Wie paralysiert hielt ich Pinas Hand zwischen meinen Fingern.
   »Sie blutet wieder«, sagte Mik. »Wir müssen den Stumpf verbinden.« Er ging an einen wackligen Schrank und zog eine Tischdecke hervor, die wir manchmal für Feiern auf den großen Tisch legten. Damit verband er Pinas Arm provisorisch, während ich immer noch nicht wusste, was ich mit der blau verfärbten Hand machen sollte.
   »Leg sie in den Kühlschrank«, sagte Hento.
   »Einfach so?«
   »Mach irgendetwas drum herum, keine Ahnung, aber mach schnell!«
   »Ja, schon gut!« Ich fand eine Plastikdose, in der Yaris mal Kekse mitgebracht hatte. Also legte ich die Hand dort hinein, machte den Deckel stramm zu und stellte sie in den Kühlschrank. Pina wimmerte erneut, und als ich wieder zur Couch stürzte, sah ich, wie sich die blauen Adern schon über den Kragen ihres Anzugs erstreckten und in Richtung Gesicht wanderten.
   »So kann sie doch nicht nach Hause! Und hierbleiben kann sie auch nicht, wir haben gleich Schluss«, sagte Vil, die gerade erst hinzugekommen war.
   »Ich bleibe hier«, sagte ich, weil mich sowieso nur meine viel zu stille Wohnung erwartete.
   »Ich auch«, sagten Mik und Hento gleichzeitig.
   »Und dann? Wo wollt ihr schlafen? Auf dem Fußboden?«
   »Hento passt auf den Zweisitzer dort, Pina kann auf der Couch bleiben und für Püppi und mich hole ich meine Matratze von zu Hause. Das ist ein Doppelbett, da passen wir beide problemlos drauf«, sagte Mik ganz pragmatisch. Vil zog eine Schnute und zuckte dann gleichgültig die Schultern.
   »Na, wenn ihr meint.«
   Als Yaris wiederkam, hatte sie keine guten Neuigkeiten. Auch die anderen verletzten Jäger waren in einem schlimmen Zustand. Und bei keinem schienen die abgeschlagenen Gliedmaßen wieder anwachsen zu wollen. Hento erzählte ihr von unserem Vorhaben und sie nickte anerkennend.
   »Eine gute Idee. Wenn es Pina morgen Abend nicht wieder besser geht, übernehme ich die nächste Wache.«
   Riki sah mich an und nickte verächtlich, als wollte sie mir zeigen, dass sie durchschaut hatte, dass mich natürlich mein schlechtes Gewissen zu einer solch selbstlosen Handlung zwang. Ich war froh, als sie endlich ihren Rucksack nahm und ging. Mik war schon unterwegs und holte die Matratze, Hento organisierte sich gerade eine Decke. Mir war ganz komisch, wenn ich mir Pinas verfärbten Arm ansah, weil er mich an meine eigene Verletzung erinnerte und wie sehr sie angefangen hatte zu brennen, als das blaue Feuer durch meine Adern raste.
   Ich dachte an Levian und fragte mich, ob er mittlerweile auch schon mit der neuen Wunderwaffe der Engel kämpfte. Wut stieg in mir auf, hitzig und brennend wie Galle bahnte sie sich ihren Weg durch meinen Körper, doch dann, ganz plötzlich, wich sie einem Gefühl der Resignation. Es brachte nichts, sauer auf ihn zu sein, es war verschwendete Kraft, die ich im Kampf vermutlich dringend brauchen würde. Er hatte mich für seine Zwecke benutzt und ich war so dumm gewesen, ihm all seine Lügen zu glauben. Ich hatte meine Lektion gelernt, auch wenn es immer noch wehtat.
   Auf einmal hielt ich es nicht mehr aus in diesem Zimmer, in dem die Stimmung so negativ aufgeladen war. Ich stürzte aus unserem Aufenthaltsraum und sprang wie blind in einen der Aufzüge, dessen Türen sich gerade wieder schlossen. Irgendjemand hatte den Knopf D für »Dach« gedrückt und ich sah es als Zeichen, einfach nach oben zu fahren.
   Ich lehnte in der hell erleuchteten Kabine an dem gebürsteten Edelstahl der Kopfwand und lauschte dem mechanischen Surren der Stahlbänder. Je mehr ich darüber nachdachte, desto sicherer wurde ich, dass es Zeit war, den Engel aus meinen Gedanken zu drängen.

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