Seit über zweihundert Jahren versucht die Französin Marie-Fleur de Bourbon, einen Sinn in ihrer unendlich andauernden vampirischen Existenz zu finden. Doch die Kälte und die Verzweiflung in ihrem Herzen lassen keinen Neuanfang zu. Sie beschließt, sich an dem Vampir zu rächen, der sie aus ihrem schillernden Leben am französischen Königshof gerissen hat. Obwohl sie die Geschichten kennt, die besagen, dass kein Vampir seinen Schöpfer zu Staub zerfallen lassen kann, stellt sie ihm nach, in vollem Bewusstsein, dass es ihr Untergang sein könnte. Als sie bei ihren Recherchen in New York auf den attraktiven Barkeeper Six trifft, der für ihren Schöpfer arbeitet, wähnt sie sich ihrem Ziel nahe. Doch Six hat seine eigenen Pläne.

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Ela van de Maan

Ela van de Maan
Ela van de Maan wurde im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts im vorangegangenen Jahrtausend in einer Kleinstadt in Süddeutschland geboren. Seit sie lesen kann, wollte sie auch schreiben. Ihre größte Leidenschaft waren Fantasy und Abenteuerromane, die in ihrer eigenen Traumwelt immer neue Geschichten nach sich zogen. Irgendwann wurde der Geschichtenstapel in ihrem Kopf zu hoch und sie begann sie aufzuschreiben ... Ela van de Maan ist Mitglied in der DELIA - Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und -autorinnen und im PAN - Phantastik-Autoren-Netzwerk.

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Leseprobe

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Versailles, Frankreich, 1790

Dunkelheit breitete sich aus. Und Kälte. Der Strom, der gerade noch in meinen Adern kochte, gefror zu Eis. Ich hörte diesen Teufel schmatzen, während er sich die Lippen leckte. Er genoss immer noch die Reste meines Blutes, das ihn vor Verzückung hatte stöhnen lassen. Es war ein widerliches Geräusch. Grausam und gierig.
   Ein klebriges Rinnsal bahnte sich den Weg aus meinem Mundwinkel über meine Wange. Das Blut eines Monsters. Sein Blut. Er hatte es mir gegen meinen Willen eingeflößt, als ich bereits viel zu schwach war, um mich zur Wehr zu setzen.
   Der Geschmack verursachte mir Übelkeit.
   Ein Fieberschauer überfiel mich, dennoch breitete sich die Kälte weiter aus. Der Zusammenstoß beider Gefühle brachte unsagbare Schmerzen mit sich, an den Stellen, an denen sie sich trafen.
   Ich wollte auffahren, wollte ihn mit all meiner Kraft zu Boden zwingen und ihn zertreten wie eine Kakerlake, doch mein Körper gehorchte mir nicht. Meine Schläfen pochten. Die Kälte drohte, meinen Kopf zu zerbersten. Die Fieberhitze verbrannte mich. Ich wollte schreien, um mich schlagen, in Abertausende Splitter zerspringen. Es war nicht möglich.
   Wut und Verzweiflung stiegen in mir auf. Ich krallte mich in das feuchte Moos unter mir und erspürte jedes einzelne, winzige Blatt. Wie kleine, feine Fühler schmiegten sie sich an meine Haut. Ich roch den Waldboden, wie ich ihn noch nie wahrgenommen hatte. Kühl, feucht, erdig, würzig, eine Wolke an Gerüchen und jeder einzeln zu identifizieren.
   Ein Käfer krabbelte an meinem Kopf vorbei. Seine kurzen Schritte hallten wie das Marschieren von hundert Soldaten in meinem Ohr wider.
   Meine Sinne schärften sich. Ich konnte die Umgebung wahrnehmen, ohne meine Augen zu öffnen. Ich wusste, welche Bäume über mir ihre Äste ausbreiteten. Ob sie dicht genug waren, um das Sonnenlicht abzuhalten. Welche Pflanzen um mich herum wuchsen, und welche Düfte sie verströmten. Das Blut, das aus meinem Mund tropfte, klatschte auf den Boden wie große Regentropfen.
   In der Ferne hörte ich die Fanfaren des Königs zur Herbstjagd blasen. Ich würde nicht daran teilnehmen. Nichts würde mehr sein, wie es war. Ich bäumte mich mit aller Kraft auf. Ein Schrei entfuhr meiner Kehle. Schrill und spitz.
   Plötzlich war es still. Selbst die Vögel im Wald waren verstummt.

Kapitel 1
Brooklyn, New York, USA, 2015

Six wischte den eben frei gewordenen Tisch, als er auf die junge Brünette aufmerksam wurde, die zielstrebig die Gruppe Betrunkener am Nebentisch ansteuerte.
   »Hallo Jungs«, begrüßte sie die Rausschmeißertruppe seines Chefs. »Ich bin ein schlechter Einfluss, und wer seid ihr?«
   Schlagartig erstarb jeder Laut in der Runde. Alle Blicke waren auf ihre überlangen roten Lackstiefel gerichtet, während sie einen Fuß unter die Sitzfläche des ihr am nächsten Befindlichen klemmte und ihn in den Hintern pikste. Mit einer gekonnten Bewegung richtete sie ihr schwarzes Spitzenmieder, um alle Blicke auf ihren hervorquellenden Busen zu lenken.
   Six schüttelte den Kopf. Er hörte das Grunzen der abgewrackten Gestalten, die vor ihr wie festgenagelt auf den Stühlen hockten und es nicht einmal bemerkten, dass ihnen der Sabber von den Mundwinkeln tropfte. »Hallo Lady«, wandte er sich an sie. »Unser Lokal ist erst ab einundzwanzig zugänglich.«
   »Hallo Süßer«, erwiderte sie mit rauer Stimme und musterte ihn aufmerksam von oben bis unten. »Das hat mir dein Kollege am Einlass schon erzählt. Möchtest du auch meinen Ausweis sehen?« Sie griff tief in ihr Mieder und zog demonstrativ ihre Fahrlizenz zwischen ihren Brüsten hervor.
   Six warf einen Blick auf das Foto und das Geburtsdatum. Er war sich nicht sicher, ob es stimmte, aber da es im Ausweis stand, musste er es akzeptieren. »Gut, dann wünsch ich dir viel Spaß.« Er war gerade im Begriff, sich umzudrehen, als sie ihm über den Arm streifte.
   »Was ist mit dir? Bist du heute schon ausgebucht, oder hast du nach Dienstschluss noch ein Stündchen Zeit für etwas Spaß.«
   »Glaubst du wirklich, dass du heute noch was anderes brauchst, wenn wir mit dir fertig sind, Kleine?«, grölte einer der Männer am Tisch.
   Ein überlegenes Lächeln umspielte ihren Mund. Ihr eiskalter Blick traf den Grölenden, der zusammenzuckte und auf der Stelle verstummte, als hätte ihn ein Schlag zum Schweigen gebracht. Sie stieß einen verächtlichen Laut aus. »Wenn ich mit euch Flaschen fertig bin, brauch ich einen richtigen Kerl.« Mit hocherhobenem Kinn wandte sie sich wieder an Six und lächelte ihn an. »Und, wie wärs? Du bekommst das ganze Paket umsonst.«
   »Danke, bin ausgebucht.«
   Enttäuschung spiegelte sich in ihren Augen wider. Es war nur eine flüchtige Emotion, und doch lange genug, um ihn zögern zu lassen. Sie formte ihre blutroten Lippen zu der Andeutung eines Kusses. Sein Mund wurde trocken. Er konnte etwas Entspannung gebrauchen. Sein Job raubte ihm langsam seine letzten Reserven. Sollte er ihr Angebot vielleicht doch annehmen? Sie sah noch so unverbraucht aus, nicht wie viele ihrer Kolleginnen. Lange konnte sie noch nicht in diesem Geschäft sein. Ihr engelsgleiches Gesicht zeigte keinerlei Spuren der langen Nächte, der schlechten Ernährung und der Drogen, denen viele Prostituierte irgendwann verfielen. Sie war hübsch, viel zu hübsch für dieses Gewerbe.
   Einer der Kerle am Tisch zog sie auf seinen Schoß und schob seine Pranke unter ihr Mieder. Sie lachte und heizte den Idioten erst richtig an, seinen derben Gossencharme zu versprühen, während er Six einen triumphierenden Blick zuwarf.
   Nur mit Mühe konnte er seine Faust daran hindern, den direkten Weg in die dreckig grinsende Visage des Grobians zu nehmen.
   Er machte auf dem Absatz kehrt und ging zurück an den Tresen.

*

»Ich werde ihn vernichten«, knurrte ich aus voller Überzeugung und schüttete ein weiteres Päckchen Zucker in meinen Kaffee.
   Coral ließ ihre Beine baumeln und spuckte in den East River hinab. »Hm, ich wollte eigentlich wissen, was es Neues in deinem Leben gibt. Dass du ihn vernichten wirst, hast du mir schon vor zweihundert Jahren erzählt.«
   Ich erwiderte nichts, stattdessen ließ ich das leere Papiertütchen im Wind davonflattern.
   »Übrigens, deine Stiefel sind heiß.« Coral fuhr über den roten Lack und zwickte mich in den Schenkel. »Nur zu dir passen sie überhaupt nicht, Mademoiselle.«
   »Ich weiß. Ich dachte, ich komme in dem Aufzug leichter an Charles’ Leute heran. Ich brauche ein paar Informationen über seine Gewohnheiten, und die muss ich mir beschaffen, solange er nicht hier ist.«
   »Warum lässt du diese doofe, alte Geschichte nicht endlich ruhen und genießt dein Leben?«
   »Welches Leben? Alles Leben, das ich hatte, hat er ausgelöscht.«
   Coral wischte das Argument mit einem energischen Handstreich beiseite. »Wenn er dich nicht gewandelt hätte, wärst du schon längst von den Würmern aufgefressen und ausgekackt worden. Warum kannst du nicht das Beste draus machen wie die anderen auch? Sieh dir Alexandre an, sogar der hat es endlich geschafft. Such dir einen Mann, wenn du nicht allein sein willst. Oder bleib bei uns. Bei uns ist immer was los. Apropos, du wohnst doch in unserer Höhle, jetzt, wo du endlich mal hier bist?«
   »Ist echt lieb von dir, aber nein. Ich finde schon eine nette Ecke, in der ich den Tag verbringen kann, wenn die Sonne scheint. Mir ist es zu eng zwischen so vielen Leuten.«
   »Du machst mir Spaß. Wie eng war es denn am Hof des Königs? Hattest du da das Schloss für dich allein? Soweit ich mich erinnern kann, hast du mir mal erzählt, du hättest dir mit einigen anderen Mädchen ein kleines Zimmer geteilt.«
   »Klar, aber das ist lang her.«
   »Siehst du, und es wird Zeit, etwas Neues anzufangen. Hör auf, den alten Zeiten nachzuweinen. Such dir ein neues Leben. Eine neue Liebe. Hab Spaß.«
   Ich seufzte. »Das habe ich versucht, Coral, wirklich. Ich bin durch die Welt gezogen, habe mich bemüht, alles zu vergessen und das Leben, wie du es nennst, zu genießen. Und ja, ich habe mir sogar immer wieder einen hübschen Kerl geangelt. Aber es ist sinnlos. In mir ist es so kalt, viel zu kalt für Liebe.«
   »Man merkt, dass es in dir kalt ist. Sonst würdest du dir wohl kaum diese schreckliche heiße Plörre hineinschütten.« Sie schnupperte verächtlich an meinem Becher. »Das ist doch die reinste Verzweiflungstat!«
   »Bist du albern! Ich trink das nur, damit ich als Mensch durchgehe«, erwiderte ich und schüttelte den Kopf.
   »Vanillekaffee mit drei Päckchen Zucker und einer extra Tüte löslichem Espresso? Sehr menschlich, muss ich schon sagen.«
   Ich rempelte ihr in die Rippen.
   Sie lachte – laut und hell wie kleine Glöckchen. Ich mochte dieses Lachen. Es war so eigenartig und die Töne so unmenschlich. Sie störte es überhaupt nicht, wenn es jemandem auffiel, dass etwas anders an ihr war. Coral überspielte alle aufkommenden Verdachtsmomente einfach mit irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen Argumenten und sah ihr Gegenüber dabei aus funkelnden grünen Augen an, sodass er sofort vergaß, was sie getan oder gesagt hatte. Zurück blieb in dem Menschen einfach nur ein Glücksgefühl. Nur bei mir funktionierte der Trick nicht, in mir kam nie ein Glücksgefühl auf. Wie auch? Ich war schon lange kein Mensch mehr.
   »Überlegs dir, Marie-Fleur. Ich glaube kaum, dass du glücklicher sein wirst, wenn Charles zu Staub zerfallen ist. Und nebenbei bemerkt, wie willst du das überhaupt anstellen? Du weißt doch, dass ihr Vampire euren Schöpfer nicht töten könnt.«
   »Ich werde einen Weg finden. Er muss büßen für das, was er getan hat, egal wie. Und wenn es das Letzte ist, was ich tue.«
   Coral sah mich ernst an. »Komm, lass es gut sein, wär schade um dich. Echt.«
   Ich zuckte nur mit den Schultern. Um was wäre es schade? Um eine leere Hülle, die seit über zweihundert Jahren jeden Tag darüber sann, was gewesen wäre, wäre sie diesem Untoten nie begegnet. Ich konnte mich nicht damit abfinden. Niemals.
   Blaulicht tauchte am Rande der Brücke auf.
   »Mon dieu. Ist das nervig hier. Wie hältst du das nur aus? Kann man nicht mal nachts in Ruhe auf den Brückentürmen sitzen und in den Fluss schauen?«
   Coral kicherte nur und beobachtete die Show, die unter uns auf der Brücke ablief.
   Einer der Polizisten holte sein Megafon hervor. »Bleiben Sie, wo Sie sind. Die Feuerwehr wird sofort hier sein und Sie da herunterholen.«
   Ich verdrehte die Augen. »Und jetzt?«
   Coral sprang auf. »Ich mach das schon!«
   Der Polizist schien einem Herzinfarkt nahe, als sie über die dicken Drahtseile hinuntertänzelte. Er versuchte einige Male wild gestikulierend, sie zu stoppen. Als sie bei ihm ankam, stürzten sofort einige Sanitäter auf sie zu, doch eine kleine, abwehrende Geste hielt sie davon ab, Coral in Gewahrsam zu nehmen. Nach einer kurzen Diskussion und dem Herumreichen von Papier verabschiedete sie sich winkend von den Umstehenden und lief über die Drahtseile wieder zu mir herauf.
   »Was hast du denn denen erzählt?«, fragte ich amüsiert.
   »Ach, das Gleiche wie immer. Wir seien vom Zirkus und hätten eine Ausnahmegenehmigung.« Sie wedelte mit einem zerfledderten, alten Zettel vor meiner Nase herum.
   »Was ist das?«
   »Das ist eine Genehmigung eines früheren Bürgermeisters von New York, der uns erlaubt hat, auf allem herumzuklettern, das uns dafür geeignet erscheint.«
   Ich warf einen Blick darauf. Das Schreiben war über hundert Jahre alt. »Und das gilt heute noch?«
   Sie grinste. »Natürlich, es ist ja auf unseren Zirkus ausgestellt. Und solange es keiner widerruft, gilt es weiterhin.«
   Ich musste lachen. Ein Zirkus. Auf was für Ideen die Drachenmädchen nur immer kamen, um sich den Spaß am Leben zu erhalten.
   »Komm, bleib bei uns, Marie-Fleur. Ist viel lustiger, wenn wir zusammen abhängen können.«
   Nachdenklich blickte ich in den East River hinab. Ob ich es vielleicht irgendwann einmal schaffen könnte, Spaß an diesem Zustand zu haben? Ich seufzte. Nur wie? Die Kälte in meinem Herzen ließ sich nicht durch kurzweilige Ablenkung vertreiben. Sie war immer da, egal, was ich tat. Egal, wie viel Mühe ich mir gab, die vielleicht sogar interessanten Seiten dieses Daseins lieben zu lernen. Es war kalt. Unendlich kalt. Und ich wusste nicht, wie ich daran jemals etwas ändern konnte.
   »Was machen eigentlich deine Schwestern?«, lenkte ich vom Thema ab, damit Coral nicht weiter auf mich einreden und mich womöglich überreden konnte.
   »Ach, das Übliche. Saphire mosert herum, weil wir nicht machen, was sie uns sagt. Jewels schaut den ganzen Tag in den Spiegel, um herauszufinden, ob sie nicht doch etwas Besonderes an sich entdeckt und der Rest hängt mit den Jungs rum. Aber die werden auch immer weniger.«
   »Warum das denn? Ist was passiert?«
   Coral winkte ab. »Nö, aber Alex ist ja fest vergeben. Und Tom ist deprimiert. Mit dem kann man genauso wenig anfangen.«
   »Tom? Deprimiert? Kann ja nicht sein.«
   »Doch, weil Amber, das störrische Biest, neuerdings Mensch spielt und studiert.« Coral machte eine ausholende Geste, um ihre Empörung zu unterstreichen. »Stell dir vor, sie hat sich sogar eine Brille zugelegt, um intelligenter auszusehen«, ergänzte sie voll Abscheu. »Als ob es nicht genug wäre, auf dem alten Flügel klassisches Zeug zu klimpern und die ganzen Bücher zu lesen, die wir schon seit Jahrhunderten mit uns herumschleppen müssen. Jetzt braucht sie auch noch so einen albernen Uniabschluss. Und die Brille – schrecklich!«
   Ich versuchte mir, so gut es ging, das Lachen zu verkneifen. »Ach, lass sie doch ihren Spaß haben. Wenn sie erst einmal merkt, dass auch eine Brille nicht davon ablenkt, dass sie die attraktivste Blondine auf dem Campus ist, hört sie von selbst wieder auf damit.«
   »Du hast die Klamotten noch nicht gesehen! Völlig langweilige Jeans, stinknormale T-Shirts und Blümchenkleider!«
   »Sag bloß«, erwiderte ich mit gespielter Entrüstung. »Nichts mehr mit ultrakurzen Lederminis und Overknee-Stiefeln? Welche Schande! Aber das ist bestimmt bloß eine Art spätpubertäre Identitätskrise. Das legt sich wieder.«
   »Ich weiß nicht. Irgendetwas muss Saphire in den vergangenen fünfzehnhundert Jahren falsch gemacht haben. Wenn das unsere Mutter noch erleben würde.«
   »Wer weiß, vielleicht wäre sie stolz darauf.«
   »Sag mal, du fällst uns doch nicht in den Rücken? Du bist unsere Freundin!«
   »Natürlich nicht«, entgegnete ich und grinste. »Aber was hat das mit Tom zu tun? Stört er sich an ihrer neuen Aufmachung?«
   Coral fuchtelte unwirsch in den Nachthimmel. »Nein, aber sie hat mit einem ihrer menschlichen Mitstudenten angebandelt und versucht, monogam zu sein. Stell dir vor: monogam! Sie ist sogar in eine eigene Wohnung gezogen. Offenbar schämt sie sich für uns ungebildetes Volk.«
   Ich biss mir in die Wange, um nicht laut hinauszuprusten. Monogamie war in Drachenkreisen eher eine Krankheit als eine ehrenhafte Einstellung. Es war etwas, das sie wohl niemals verstehen würden und über das sie nur verwundert den Kopf schüttelten, egal, wie lange sie schon unter Menschen lebten. Und Bildung? Coral hatte sich noch nie um Bildung geschert. Dass Amber ständig ihre Nase in Bücher steckte, war ihnen allen, vor allem aber ihrer großen Schwester und Ersatzmutter Saphire, schon immer ein Dorn im Auge. Ich war mir noch nicht einmal sicher, ob die anderen Drachenmädchen überhaupt lesen konnten, bevor es in der menschlichen Umgebung, in der sie sich aufhielten, absolut unerlässlich wurde. »Na ja, sie ist halt noch ein Teenager«, versuchte ich, sie zu beruhigen. »Da muss man manchmal auch andere Wege ausprobieren.«
   »Pah«, machte Coral verächtlich. »Ich bin auch noch ein Teenager, kaum dreihundert Jahre älter als sie. Das, was sie hier abzieht, ist eine Schande für uns. Unsere Mutter würde sich um die Wurzeln der nächsten Eibe wickeln, wenn sie das mitbekäme.«
   Ich legte ihr tröstend den Arm um die Schulter. »Weißt du, Coral, die Zeiten ändern sich. Lasst sie einfach ausprobieren, was sie will, umso eher hat sie die Nase voll davon. Und Tom wirds auch überleben. Die Zeit ist eindeutig auf seiner Seite. Ich muss los und weiter versuchen, die Typen rund um Charles abzugrasen, solange er nicht zurückkommt und Verdacht schöpfen kann. Er wird sich ohnehin wundern, wenn er mich in seiner Nähe bemerkt.«
   »Viel Glück. Aber bevor du etwas unternimmst, gib Bescheid, vielleicht können wir dir helfen.«
   Ich nickte, obwohl ich wusste, dass ich es nicht tun würde. Es war meine private Angelegenheit.
   Ich machte mich auf den Weg zurück in die Kneipe in Brooklyn, die Charles’ derzeitiges Hauptquartier in New York war. Die Tische waren erst zum Teil besetzt und die Langweiler von gestern waren auch nirgends zu sehen. Mir tat es leid, dass der hübsche Barkeeper keine Lust gehabt hatte, mir den Tag zu versüßen. Ich hätte zu gern das Tattoo erforscht, das unter seinem T-Shirt-Ärmel hervorgelugt hatte. Stattdessen musste ich die meiste Zeit in einer alten Halle am Pier verbringen, weil sich die Sonne durch die Wolken geschlagen hatte. Heute würde ich mir allerdings etwas Angenehmeres suchen – Museum, Kino, Theater oder Bibliothek. New York war voll davon. Warum sollte ich es nicht nutzen? Vielleicht ließ sich auch der nette Barkeeper doch noch dazu überreden, mir für eine Weile eine weiche Unterlage zur Verfügung zu stellen. Möglicherweise konnte ich auch aus ihm etwas mehr herauskitzeln als aus den Typen vom Vorabend. Diese hohlköpfigen Penner aus der Rauswerfertruppe von Charles konnten mit keinerlei Informationen aufwarten, die mir nützlich gewesen wären. Alles, was sie von sich gaben, wusste ich schon. Aber sie waren zumindest dämlich genug, sofort im siebten Himmel zu schweben und von dem erotischsten Abenteuer zu träumen, das sie je hatten. Ich verabscheute leicht zu manipulierende Männer. So ein richtiger Kerl, der auch mal Nein sagen konnte, war mir viel lieber.
   Ich blickte zur Bar. Der Nette von gestern war nirgends zu sehen. Unschlüssig schlenderte ich auf seinen Kollegen zu.
   »Kann ich dir helfen?«, fragte dieser sogleich hocherfreut und ließ seinen Blick in meinen Ausschnitt fallen.
   Jüngelchen, werd erst mal trocken hinter den Ohren, damit du auch weißt, was man mit den Dingern anfangen kann. »Ist dein Kollege da? Der, der gestern hinter der Bar gearbeitet hat?«
   Er schüttelte grinsend den Kopf. »Im Moment bin ich da, du kannst mich Lewis nennen. Was hättest du denn gern? Ein Mineralwasser?«
   »Was?«
   Er sah mich schief an. »Wie alt bist du denn?
   »Dreiundzwanzig.«
   »Du siehst aber jünger aus«, erwiderte er und grinste erneut. Offenbar kam er sich überlegen vor.
   »Mon dieu, ich will nicht wissen, wie alt ich aussehe, sondern ob dein Kollege da ist.«
   »Nur weil der Drinks an Minderjährige ausgibt, heißt das noch lange nicht, dass ich es auch mache.«
   »Ich will keinen Drink.« Ich stützte mich gelangweilt auf den Tresen und überlegte, was ich die Nacht über noch anstellen sollte, um an weitere Informationen zu kommen, wenn sich hier nicht bald etwas Interessantes tat.
   »Aber du dürftest nicht mal hier sein, wenn du noch unter einundzwanzig bist«, legte er hartnäckig nach.
   »Himmelherrschaft, ich bin älter als ich aussehe.«
   »Zeig mir deinen Ausweis.«
   Ich zog den verdammten Ausweis aus meinem Ausschnitt und knallte ihn auf den Tresen. Es war mir äußerst lästig, ständig für minderjährig gehalten zu werden. Und das mit über zweihundert Jahren.
   Er hielt den Ausweis ins Licht und sah ihn sich gewissenhaft an. »Marie-Fleur … wie heißt du? Bourbon wie der Whiskey?«
   »Nein, de Bourbon wie der König von Frankreich.«
   »Echt? Ich dachte, der heißt einfach nur von Frankreich.«
   Ich griff mir genervt an den Kopf und wartete darauf, dass er mir endlich den blöden Ausweis wieder herüberreichte.
   »Ist er dein Vater?«, fragte er interessiert.
   »Wer?«
   »Na, der König von Frankreich, wenn du schon so heißt.«
   Ich sah ihn fragend an. Konnte das wirklich sein Ernst sein? »Sagen wir mal«, erwiderte ich vorsichtig, weil ich nicht wusste, ob er nur dumm tat oder tatsächlich so unterbelichtet war. »Er ist ein Verwandter.«
   »Ach so, ein Verwandter, aber du darfst trotzdem seinen Namen haben. Find ich echt nett von ihm.«
   »Mon dieu!«, presste ich durch die Zähne hervor. »Sagst du mir endlich, wo dein Kollege ist?«
   »Er ist nicht hier.«
   »Das seh ich.« Und du auch gleich nicht mehr, wenn du mich weiter so nervst. Ich versuchte, nach dem Ausweis zu greifen, aber er hielt ihn in die Höhe, um noch mein Foto mit meinem Gesicht zu vergleichen.
   »Wie gehts ihm denn?«
   »Wem?«
   »Dem König von Frankreich.«
   »Er ist tot«, knurrte ich gereizt.
   »Oh, das tut mir leid, was hat ihm denn gefehlt?«
   »Der Kopf.« Langsam platzte mir der Kragen.
   »Wie schrecklich. Hirntumor?«
   »Guillotine.«
   »Kenn ich nicht. Ist bestimmt eine seltene Krankheit.«
   Ich verdrehte die Augen.
   Er reichte mir mit einer gnädigen Geste den Ausweis über den Tresen. »Was willst du denn nun trinken?«
   »Whiskey, doppelt, on the rocks.«

*

Six beobachtete vom Imbiss gegenüber den Eingang der Kneipe, während er angewidert in den laschen Hotdog biss. Am liebsten hätte er sich ein saftiges Steak gegönnt, aber solange er nicht wusste, was hinter der Fassade des Dark Knight ablief und ob dieser Franzose, dem die Kneipe gehörte, wirklich der Kerl war, den er suchte, musste er mit allem vorliebnehmen, was in der Nähe zu haben war. Seit Wochen beobachtete er bereits das Lokal, und endlich hatte er es geschafft, einen Job darin zu ergattern, aber vergebens. Dieser Franzose tauchte einfach nicht auf, sodass sich Six nicht sicher war, ob er nicht doch seine Zeit vergeudete.
   Er schweifte von seinen Gedanken ab, als die hübsche Brünette vom Vortag wieder die Bar betrat. Sie hatte einen auffallend grazilen Gang, fast wie eine Tänzerin, und eine kerzengerade Haltung. Der Schwung, mit dem sie ihre Hüften bewegte, war nicht gekünstelt. Sie wusste, wie man sich bewegte, sogar in diesen extrem hohen Stiefeln. Was wollte sie nur ausgerechnet hier und mit diesen versifften Kerlen? Sie hätte mit ihrem hübschen Gesicht und ihrer heißen Figur deutlich angenehmere und vor allem zahlungskräftigere Kundschaft gefunden. Wie alt sie tatsächlich sein mochte? Sicher ein paar Jahre jünger als er.
   Er starrte auf die Tür, die hinter ihr zugefallen war. Warum interessierte es ihn überhaupt? Er stand nicht auf junge Frauen. Es war ihm lieber, wenn sie so alt waren wie er oder älter, mit mehr Lebenserfahrung und vor allem nicht auf langfristige Bindungen aus. Diese jungen Dinger träumten immerzu davon, den Traumprinzen zu finden, der sie ein Leben lang auf Händen trug. Das war nichts für ihn. Er hatte mit sich und seinem Job genug zu tun. Doch sie strahlte eine Selbstsicherheit aus, die er sogar bei deutlich älteren Frauen selten gesehen hatte. Der Blick, den sie ihm zugeworfen hatte, als sie ihn mit ihrem Angebot locken wollte, ließ ihn nicht mehr los. Ihr blutrot geschminkter Schmollmund hatte sich wieder und wieder in seine Träume gestohlen. Am liebsten hätte er den fürchterlichen Lippenstift abgewischt und nachgesehen, ob ihre Lippen tatsächlich so verführerisch geschwungen waren. Er ertappte sich dabei, wie er mit dem Daumen über den Rand des Pappbechers strich. Schnell ballte er die Hand zur Faust.
   Die feuchte Kälte der Nacht, die sich vom East River ausgehend in der Seitenstraße breitmachte, schlich sich unter seine Jacke. Der lauwarme Kaffee half mitnichten, etwas Wärme zu erzeugen. Das Warten setzte seinen angespannten Nerven zu. Wann würde er endlich auf den entscheidenden Hinweis stoßen?

Kapitel 2

Ich schüttete den Whiskey in einem Zug hinunter. Dem nervigen Barkeeperersatz blieb der Mund offen stehen. Ich wartete nur darauf, dass sich eine Fliege hineinverirrte. Amüsiert zog ich eine Zwanzigdollarnote aus meinem Stiefel und schob sie ihm zu. »Hier, stimmt so. Auch wenn du mir immer noch nicht verraten hast, wo dein Kollege steckt.«
   Er strahlte über das ganze Gesicht. »Der steht bestimmt schon wieder drüben am Imbiss und holt sich einen Hotdog. Der wohnt nämlich gleich gegenüber.«
   Ich blickte auf. Warum, du Trottel, hast du mir das nicht gleich erzählt? »Das ist ja zu freundlich von dir, dass du mir endlich doch eine Information gibst«, bemerkte ich in einem zuckersüßen Tonfall. Am liebsten hätte ich ihn meine Zähne spüren lassen.
   Er nickte selbstgefällig und legte das Geld in die Kasse.
   Ich nahm den direkten Weg nach draußen. Tatsächlich, der nette Kollege stand an einem der kleinen Tische neben dem Hotdog-Stand und hielt mit beiden Händen einen Pappbecher umklammert.
   Gemächlich spazierte ich hinüber. »Hi, hast du heute frei?«
   »Hi. Und du? Bist du wieder auf der Suche nach Pennern?«, brummte er.
   Ich zuckte mit den Schultern. »Übrigens, mein Angebot von gestern gilt noch.« Langsam fuhr ich mit meinen Nägeln über seinen Handrücken und sah ihm in seine hellblauen Augen. Sie hatten die Farbe eines Aquamarins, dem Stein des Saturns, ein traumhaftes Blau. Nur das Leuchten fehlte. Er wirkte müde. Sein Blick verriet nichts. Absolut nichts. Kein Begehren, aber auch keine Ablehnung. Ein Mann, der sich ganz und gar im Griff hatte und doch ein menschlicher Mann.
   Er zog seine Hand aus der Reichweite meiner Krallen und trank seinen Kaffee aus. »Möchtest du etwas zu essen?«, fragte er mich freundlicher.
   »Ich? Nein danke.«
   Er nickte. Nicht einmal der Hauch eines Lächelns stahl sich über sein Gesicht.
   »Wie ich sehe, bist du auch schon fertig mit deinem sicherlich vorzüglichen Dinner. Sollten wir uns nicht ein netteres Plätzchen suchen, oder willst du hier die ganze Nacht stehen bleiben und sehnsüchtig die Bar beobachten?«
   »Wie meinst du das?« Er betrachtete mich misstrauisch.
   »Na ja, wenn ich hier arbeiten würde und frei hätte, würde ich mir sicher etwas Angenehmeres zum Essen suchen als den alten Hotdog-Stand gleich gegenüber meiner Arbeitsstätte.«
   »Ich bin noch nicht lange in der Ecke. Ich kenn mich hier nicht aus.«
   »Ich bin auch neu hier. Vielleicht könnten wir ja gemeinsam erkunden, was es Schönes gibt?«
   Er warf einen schrägen Blick auf mein Outfit.
   Okay, ich hatte verstanden. Er wollte sich mit einer wie mir nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen. Für ihn hatte ich mich wohl falsch verkleidet. Ich überlegte eine Weile, wie ich ihn doch noch überzeugen könnte, dass er den Abend mit mir verbringen wollte. Er wäre sicherlich deutlich interessanter als die Typen, die vor der Kneipe standen und rauchten.
   Sie glotzten zu uns herüber und rempelten sich gegenseitig an, während sie verstohlen auf mich deuteten und peinliche Zoten rissen.
   Ich winkte und lächelte ihnen vielversprechend zu.
   Sie johlten. Welch dämliche Brut. Ich hatte mich schon oft gefragt, ob Dummheit ansteckend war. Hoffentlich wurde sie nicht durch Blut übertragen, denn wenn ich noch weitere Jahrhunderte darauf angewiesen war, mich von solchen Dumpfbacken zu ernähren, würde mir irgendwann auch das Wissen aus allen Bibliotheken der Welt nichts mehr helfen.
   Sie versuchten, mich mit eindeutigen Gesten, die wohl die Länge ihres besten Stücks andeuten sollten, zu beeindrucken.
   Mein süßer Barkeeper schnaubte verächtlich. Offenbar gefiel ihm die Bande genauso wenig wie mir.
   Einer von den Typen forderte mich auf, zu ihm zu kommen.
   Er sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an und zerquetschte den Pappbecher.
   Ich unterdrückte ein Lächeln. Ob er mich aufhalten würde? »Tja, dann werde ich mich mal zu den netten Herren dort drüben gesellen. Vielleicht ist es da ja wärmer. Hier herrscht irgendwie ein frostiges Klima.« Demonstrativ zog ich meine Jacke enger und klapperte mit den Zähnen, bevor ich mich abwandte.
   »Warte.« Er hielt mich am Arm zurück. »Was willst du mit den Typen? Die sind nichts für dich.«
   »Ach ja?«
   Er warf den Pappbecher in den Mülleimer. »Wenn dir kalt ist, kannst du mit in meine Wohnung kommen und dich aufwärmen.«
   Ich schenkte ihm das bezauberndste Lächeln, das ich aufzubieten hatte. Das brachte ihn wenigstens dazu, einen Mundwinkel leicht nach oben zu ziehen und ein kleines Funkeln stahl sich in seine Augen.

»Übrigens, ich heiße Marie-Fleur«, flüsterte ich ihm zu, als er seine Wohnungstür öffnete.
   »Ich weiß, das stand in deinem Ausweis.«
   Ich stutzte. Er hatte sich tatsächlich meinen Namen gemerkt? Wozu?
   »Es ist ein sehr hübscher Name. Bist du französischer Abstammung?«
   »Könnte man sagen.«
   Er zog die Augenbrauen nach oben. »Könnte man das, wenn der Name echt wäre?«
   »Der Name ist echt. Ob du es glaubst oder nicht. Und wie heißt du? Oder willst du es mir nicht verraten.«
   »Six.«
   »Six? Du heißt Six? S-I-X wie die Zahl?« Ich deutete mit den Fingern die Zahl sechs. »Wie kommst du denn dazu?«
   Er grinste.
   »Hm«, überlegte ich. »Ich würde sagen, es ist ein Spitzname und es wurde in der Mitte ein Buchstabe vertauscht. Denn ursprünglich sollte der Name auf besondere Qualitäten hinweisen.«
   Six lachte. »Interessante Theorie, aber falsch.«
   »Der Name ist echt?«
   »Ja.«
   »Mon dieu! Weshalb um Himmels willen tauft man sein Kind nach einer Zahl?«
   »Das musst du meinen Vater fragen.«
   »Ich habs! Du hast fünf Brüder und deinen Eltern ist kein weiterer Jungenname mehr eingefallen?«
   »Gut kombiniert.«
   »Tatsächlich? Ihr Amerikaner seid echt witzig.« Ich kicherte leise vor mich hin.
   Six rollte mit den Augen, aber ein Grinsen konnte er dennoch nicht unterdrücken. Er ging zu einem riesigen Kühlschrank, der in der kleinen Küchenzeile völlig überdimensioniert wirkte, und öffnete die Tür. »Möchtest du etwas trinken?«, fragte er. Dem Tonfall nach überlegte er gerade, was er mir überhaupt anbieten konnte.
   Ich lehnte dankend ab. Das, was ich wollte, würde er mir ohnehin nicht freiwillig geben. Ich sah mich in dem kleinen Zimmer um. »Man merkt, dass du noch nicht lange hier wohnst.«
   »Ach ja? Woran?« Er schloss geräuschvoll die Tür des laut brummenden Großraumkühlgeräts. So abgenutzt, wie es aussah, hatte es seine besten Zeiten längst hinter sich, und ich war mir nicht sicher, ob er darin tatsächlich noch offene Lebensmittel lagern sollte. Womöglich wurden sie wieder lebendig.
   »Woran hast du erkannt, dass ich noch nicht lange hier wohne?«, wiederholte er seine Frage und grinste amüsiert über meinen angeekelten Blick auf den Kühlschrank.
   »Na ja, ein Sessel, ein Couchtisch, ein Bett, ein Schrank und ein Fernseher. Das sieht nicht gerade nach eingerichteter Behaglichkeit aus. Nicht mal Vorhänge hast du.« Ich sah vom Sessel zu dem einzigen Fenster des Raums, vor dem die Neonreklame der Kneipe gegenüber grell blinkte.
   »Ich mach mir nichts aus Einrichtungen.«
   »Du hast nicht vor, hier länger zu bleiben, würde ich sagen.«
   Er machte eine unschlüssige Miene und zuckte mit den Schultern, bevor er sich in den Sessel fallen ließ. »Du kannst es dir gern auf dem Bett gemütlich machen, wenn du willst.« Er öffnete eine Dose Bier, legte die Füße auf den Tisch und schaltete den Fernseher ein.
   Ich stand etwas perplex im Zimmer herum. Ich sollte es mir gemütlich machen? Allein? Wenn er kein Interesse an mir hatte, warum hatte er mich mitgenommen? Ich setzte mich aufs Bett und prüfte die Matratze. Viel zu weich für sein Gewicht. Ausgeleiert. Bestimmt war das Zimmer schon so eingerichtet gewesen, als er hier eingezogen war.
   Ich streckte die Beine aus. Meine Stiefel störten mich. Es war viel zu unbequem, mit diesen Dingern den ganzen Abend herumzulaufen. Ich zog daran. Das Latex klebte an meiner Haut, obwohl ich nicht schwitzte. Es knirschte und knarzte. Wie konnte man solch lästige Teile nur freiwillig anziehen? Dagegen waren meine engen Schnürstiefeletten zu Zeiten Ludwigs des XVI. richtig angenehm zu tragen gewesen. Ich zog erneut daran. Eine Naht gab ächzend nach, und ein unschöner Riss entstand. Six sah kurz vom Fernseher in meine Richtung, aber sofort wieder zurück. Wobei ich mir nicht sicher war, ob er sich wirklich auf den Fernseher konzentrierte. Sobald vor der Kneipe Leute erschienen, spannte er sich an und ich roch genau, dass ein kleiner Adrenalinstoß durch seine Muskeln fuhr. Beobachtete er die alte Spelunke? Wozu? Wartete er auf etwas? Ich sah aus dem Fenster. Er hatte den perfekten Überblick, sowohl zum Vordereingang als auch zur Hofeinfahrt. Er würde sofort mitbekommen, wenn sich dort etwas tat. Und ich ebenfalls. Ich beschloss, es mir hier erst einmal gemütlich zu machen. Die Aussicht aus dem Fenster und auf Six war gleichermaßen interessant.
   Ich streckte mich genüsslich auf der durchgelegenen Matratze aus und betrachtete ihn. Sein überlanger Pony fiel ihm halb über die Augen, sodass ich nicht genau sehen konnte, wohin er seinen Blick tatsächlich richtete. Seine Frisur wirkte herausgewachsen. Vor ein paar Monaten waren seine Haare sicher noch exakt kurz geschnitten gewesen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er zu dieser Zeit auch ordentlich rasiert gewesen war. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm.
   »Was ist so interessant an mir?«, fragte er, ohne mich anzusehen.
   »Alles«, flüsterte ich verführerisch.
   Er verzog den Mund und schnaubte.
   »Woher kommst du, Six?«
   Er nahm einen Schluck Bier und leckte sich den spärlichen Schaum von den Lippen. »New Jersey.«
   »Und wie ist es dort so?«
   »Wie überall auf dem Land. Ruhig und friedlich.«
   Ich horchte auf. »Warum bist du ausgerechnet nach New York gekommen? Du hättest sicher auch einen Job in einer netten Kleinstadt bekommen. Oder nicht?«
   Er machte eine gleichgültige Geste. »Es hat mich halt hierher verschlagen. Woher kommst du?«
   Ich schwieg. Woher kam ich eigentlich? Aus Frankreich. Aus meinem geliebten Frankreich. Aber wie lange war ich schon von dort weg? Zwei Jahrhunderte? Wie sehr vermisste ich den Park von Versailles. Die Blütenpracht im Frühjahr. Die exakt geschnittenen Bäume, Sträucher und Hecken. Wie oft hatte ich mich kichernd dahinter versteckt. Mich im Gras gewälzt. Mit Pierre.
   Six beobachtete mich und wartete auf eine Antwort.
   »Ich ziehe durchs Land, mal hier, mal da. Wie es mir gerade gefällt.«
   »Und wo lebt deine Familie?«
   »Wieso? Willst du mich zurückbringen?«, fragte ich belustigt.
   Er grinste schief. »Vielleicht solltest du wirklich nach Hause gehen. In dem Leben, das du führst, wirst du nicht glücklich werden.«
   Wie recht er hatte. In diesem Leben gab es tatsächlich kein Glück für mich. Aber auch keinen Weg zurück. Pierre war tot – seit über zweihundert Jahren. Genauso wie meine Familie, die entweder während der Französischen Revolution gefallen, oder später, als das Alter seinen natürlichen Lauf genommen hatte, dahingeschieden war. Nur Pierre war keines menschlichen Todes gestorben. Ein Gefühl von Traurigkeit bahnte sich einen Weg durch die Kälte in meinem Herzen.
   »Wie lange bist du denn schon von Zuhause weg?«
   »Zu lange, um zurückzukehren«, antwortete ich leise.
   »Es ist nie zu spät, um neu anzufangen. Und du bist noch so jung. Dir stehen alle Türen offen. Du musst dich nicht verkaufen, um zu überleben.«
   Ich nickte. Wieder hatte er unwissentlich den Nagel auf den Kopf getroffen. Mir standen tatsächlich alle Türen offen. Denn ich machte sie einfach auf, wenn ich wollte, und überleben ging als Vampir leicht. Aber ich konnte ihm schlecht erzählen, dass mein Leben eigentlich unendlich trostlos war. Auch wenn ich immer wieder versucht hatte, einen Sinn in dieser Existenz zu finden – es gab keinen. »Hast du ein Problem damit, wenn ich diese unbequemen Klamotten auch ausziehe?«
   »Du kannst dir eines meiner T-Shirts aus dem Schrank nehmen, wenn du willst.«
   Er hatte tatsächlich keinen Wunsch, mich genauer zu betrachten. Seltsamer Kerl. Ich hatte noch keinen Mann getroffen, der den Fernseher oder die Aussicht aus dem Fenster bevorzugte, wenn ich halb nackt auf seinem Bett lag. Es sei denn, er war schwul, und selbst dann interessierte es die meisten, was ich unter meinen Kleidern trug. Rein modisch gesehen. Ich zog ein cooles, ausgewaschenes Shirt aus dem Schrank, das mir mindestens drei Nummern zu groß war und fast mehr von meinen Beinen bedeckte, als der kurze Rock, den ich vorhin anhatte.
   Da er keine Einwände dagegen erhob, ging ich ins Bad, um mir die schreckliche Schminke abzuwaschen und meine aufgesteckten Haare aus dem Gewirr von Gummis und Nadeln zu befreien. Das Gesicht, das mir im Spiegel entgegenblickte, war nicht meines. Ich war mir selbst fremd. Wie sollte es auch anders sein? Ich war schon seit über zweihundert Jahren tot, und diese geschminkte Leiche, die seither keinen Sonnenstrahl mehr gesehen hatte, konnte keine Ähnlichkeit mehr mit mir haben. Und doch, als ich die Farbe abgewaschen hatte, war da wieder das Antlitz der jungen Frau, die ich war, bevor ich Charles begegnete. Nur eines fehlte. Die Lebendigkeit, das Lachen, das ich so oft hinter einem vorgehaltenen Fächer versteckt hatte, um mein Gegenüber nicht bloßzustellen. Es kam von Herzen, nicht wie das aufgesetzte Gekicher, das ich so oft von mir gab, weil ich wusste, dass es die Situation erforderte. Mein herzliches Lachen konnte ich nie aufhalten. Es bahnte sich einfach einen Weg in meine Kehle, und es war unmöglich, es zu unterdrücken. Eigentlich müssten um meine Augen Tausende Lachfältchen aus dieser Zeit eingegraben sein. Doch egal, mit welcher Vergrößerung ich meine Haut betrachtete, ich konnte kaum welche finden. Wenn ich alt geworden wäre, hätte bestimmt jeder gewusst, dass ich mich zeit meines Lebens kaum zurückhalten konnte, wenn es darum ging, zu lachen. Doch das war lang vorüber. Viel zu lang. Charles hatte nicht nur mein Leben genommen, er hatte auch meine Seele aus mir herausgesaugt.

*

Marie-Fleur kam fast geräuschlos aus dem Bad geschlichen. Beinahe hätte er sie nicht wiedererkannt. Die großen braunen Augen starrten ihn nicht mehr aus aufgemalten schwarzen Höhlen an, sondern betrachteten ihn mit einem sehnsüchtigen Glanz. Waren ihre Wimpern tatsächlich so lang? Verdammt noch mal! Sie war unglaublich schön. Er schielte erneut hinüber. Ihre Lippen waren noch verführerischer, als er es sich ausgemalt hatte. Sie hatte sie leicht geöffnet, und sie glänzten noch feucht vom Wasser. Er musste den Kloß in seinem Hals hinunterspülen, bevor er noch anfing, nach Luft zu schnappen. Sie wirkte wie ein dunkler Engel. Tödlich verführerisch. Er hatte plötzlich das Verlangen, durch ihre hüftlangen, dunklen Locken zu streifen und ihren Schmollmund in Besitz zu nehmen, und nicht nur das. Ihr Körper zog ihn magisch an. Ihr Angebot wurde zunehmend reizvoller. Er musste sich geradezu zwingen, sitzen zu bleiben und sie nicht sofort an sich zu reißen.
   Vor der Kneipe kam Tumult auf. Ein Betrunkener wurde unsanft auf die Straße befördert. Six konzentrierte sich auf die Anwesenden. In Sekundenschnelle überprüfte er jedes Gesicht. Nichts. Alle Anwesenden waren bereits den ganzen Abend ein- und ausmarschiert. Wo war nur dieser verdammte Franzose? Wenn ihm der Klub wirklich gehörte, müsste er doch irgendwann einmal auftauchen.

*

Schade, fast hätte ich ihn so weit gehabt. Er war wirklich willensstark. Wenn ich ihn im Bett haben wollte, musste ich andere Geschütze auffahren. Mit ihm würde es mir sicher Spaß machen, auch dabei zu sein und ihm nicht nur imaginären Sex als echt zu verkaufen wie den Idioten von Charles’ Schlägertruppe. Die hätte ich nicht einmal mit Handschuhen angefasst. Aber sie würden sicher noch ihren Enkeln begeistert von der Nacht erzählen.
   Ich legte mich bäuchlings aufs Bett und betrachtete die Fassade gegenüber. Sie war hässlich. Das grüne Neonlicht der Reklame zerstörte die Wirkung der Nacht. Man wusste nicht einmal, ob der Himmel bewölkt war, oder ob dort oben die Sterne leuchteten. Selbst den Mond konnte man nicht erahnen. Die Gebäudereihe gegenüber war schmutzig. Kein bisschen schön, nur alt und heruntergekommen. Was die Menschen wohl dazu veranlasste, hier zu bleiben? Konnten sie sich kein Leben außerhalb der dreckigen Ecken in diesem Moloch vorstellen? Warum zog es nur alle hierher? Auf dem Land war es doch viel schöner. Die Straßen waren leerer. Die Häuser standen nicht so dicht gedrängt. Und es war grün. Hier in New York gab es nur den Central Park, der grün war. Eine riesige Oase inmitten der Stadt. Und ein paar Bäume, die entlang der Fifth Avenue mitten in den Gehsteig gepflanzt waren. Sollte das etwa Natur darstellen? Selbst der Meeresarm, der Manhattan umgab, sah nicht natürlich aus. Er war lediglich ein Wasserweg, an jeder Seite von Betonmauern eingegrenzt und mit Zugängen versehen.
   Versailles lag inmitten von Natur. Dichte Wälder reichten bis auf den Vorplatz des Schlosses heran. Darin konnte man tagelang umherreiten, ohne von anderen belästigt zu werden. Die kleinen Jagdhütten luden zu so manchem Schäferstündchen ein. Und wer das Schlossgelände nicht verlassen wollte, konnte sich stundenlang im Garten aufhalten. Es war grün und es blühte an allen Ecken und Enden. Des Nachts schien der Mond als die hellste Beleuchtung und nicht diese furchtbaren Neonlichter, die beinahe mehr in meinen Augen schmerzten als ein Sonnenstrahl. Die Menschen hier kannten nur Beton und Glas, und alles war grau und hart. Wie in meinem Inneren. Wie gern würde ich das Leben, das Charles mir so jäh genommen hatte, noch einmal leben. Ich konnte ein Seufzen nicht unterdrücken.
   Six sah herüber. »Wenn du einen Film sehen willst, schalt ruhig um, die Nachrichten kenn ich schon.«
   Ich winkte ab. Die Filme im Fernsehen interessierten mich nicht. Ich kannte sie fast alle aus dem Kino. Wenn ich mich einmal wieder vor der Sonne verstecken musste, war das Kino eine gute Alternative zu Museen und Bibliotheken. Es konnte durchaus Spaß machen. Aber fernsehen? Ich verstand nicht, warum die Menschen tagein, tagaus vor dieser Kiste saßen. Sie hatten doch die Wahl, vor die Tür zu gehen, auch bei strahlendem Sonnenschein. Warum zogen sie nicht hinaus, um das Leben zu suchen, das sie gern leben würden, anstatt es sich im Fernsehen anzusehen? Sie wussten nicht, was sie versäumten. Irgendwann würden sie aus ihrem Dasein gerissen werden und dann war es zu spät, noch etwas nachzuholen.
   »Wo wohnst du eigentlich?«, fragte mich Six plötzlich.
   »Och, im Moment da, wo es gerade bequem ist.«
   Er machte den Eindruck, krampfhaft nachzudenken, während er zu mir herübersah. »Wäre es dir hier bequem genug?«
   »Bei dir?« Ich rekelte mich auf der Matratze. »O ja, es wäre sogar sehr bequem hier.«
   »Du kannst ein paar Tage bleiben, wenn du willst.«
   »Das ist natürlich ein Angebot, das ich nicht so leicht ausschlagen kann.« War er vielleicht doch nicht so uninteressiert, wie er tat? »Was hättest du gern als Gegenleistung dafür?«
   »Nichts, aber mir wäre es lieber, wenn du die Finger von den Typen in der Kneipe lassen würdest.«
   »Ach, wieso das denn?«
   »Du bist zu hübsch für die.«
   Ich lachte ihn aus. »Und für dich bin ich auch zu hübsch? Oder warum willst du nichts von mir? Du könntest alles haben.« Ich beugte mich zu ihm hinüber und blinzelte ihn an.
   Er betrachtete mich amüsiert. »Vielleicht komme ich noch auf dein Angebot zurück, sofern ich es bezahlen kann.«
   »Für dich mache ich einen Sonderpreis, keine Sorge. Und einmal Spaß geht sowieso noch aufs Haus, das hab ich dir ja schon versprochen.«
   Six grinste.
   »Wem gehört eigentlich die Kneipe?«, fragte ich mit gespielter Neugierde, um das Gespräch auf mein eigentliches Interesse zu lenken. Ich musste Charles’ Schwächen finden. Am besten mehrere, damit ich zumindest eine davon für mich ausnutzen konnte. Irgendetwas, das listig genug war, ihn auszulöschen. Ich wollte meine Rache. Und es musste bald sein. Ich wollte keine weiteren zweihundert Jahre trostlos und kalt durch die Welt ziehen und mich in Erinnerungen verlieren.
   »Sie gehört einem Franzosen«, antwortete Six kurz angebunden.
   »Tatsächlich? Und wie heißt er?«
   »Bruno Rausseur, soweit ich weiß. Falls die Aussprache stimmt. Bin ja kein Franzose.«
   Es stimmten weder die Aussprache noch der Name. Eigentlich hieß er Charles Vievoisin, Charles Louis de Vievoisin, um genau zu sein. Aber er hatte seinen Namen so oft gewechselt wie andere Leute ihre Unterwäsche. Er hatte mich trotzdem nie ganz abschütteln können. Ich fand ihn, egal wo, egal wie, egal unter welchem Namen er sich eine neue Existenz aufgebaut hatte. Dieses unsichtbare Band zwischen Schöpfer und Geschöpf half mir immer, ihn ausfindig zu machen, ob ich wollte oder nicht. »Soweit du weißt? Hast du ihn noch nicht getroffen?«
   Ich bemerkte den angespannten Ausdruck, der in einem Sekundenbruchteil über sein Gesicht huschte, bevor er den Kopf schüttelte. Adrenalin schoss durch seinen Körper.
   »Und wer hat dich eingestellt?«, fragte ich und beobachtete ihn aufmerksam, um ja keinen Anhaltspunkt zu verpassen.
   »Sein Geschäftsführer.«
   Die Anspannung verschwand. Was hatte das zu bedeuten? Suchte er ebenfalls nach Charles? Weshalb? Ich schnupperte noch einmal genauer in seine Richtung, ob sich hinter der menschlichen Fassade nicht doch zumindest ein Halbwesen verbarg. Doch ich konnte nichts erkennen, er roch eindeutig und ausschließlich nach Mensch. Das konnte interessant werden. Wenn er es tatsächlich auf Charles abgesehen hatte, hatte er die längste Zeit seines Lebens bereits hinter sich. Vielleicht tat sich mit ihm noch eine weitere Möglichkeit auf, wie ich meine Rache an Charles durchziehen konnte.
   »Ich möchte nur eines klarstellen«, fügte Six hinzu. »Keine Drogen in meiner Wohnung.«
   »Drogen? Welche Drogen?«
   »Was weiß ich, Crack vielleicht? Wofür sonst solltest du diesem …« Er deutete auf meine Stiefel. »… diesem Gewerbe nachgehen? Wenn du keine Drogen nimmst, könntest du deinen Lebensunterhalt sicher auch mit einem normalen Job bestreiten.«
   Ich musste mir ein Grinsen verkneifen und versprach ihm hoch und heilig, dass ich keine Drogen in seine Wohnung schleppen würde.

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